Vernehmungsbeamten bezeichneten die Methoden als „kreativ“ und „aggressiv“
USA bestätigen Misshandlungen in Guantánamo

Eine interne Untersuchung der US-Streitkräfte hat Misshandlungen einzelner Guantánamo-Häftlinge durch Verneh-mungsbeamte bestätigt. Dabei seien auch Verhörmethoden angewandt worden, die durch den Missbrauchs-Skandal im irakischen Gefängnis Abu Ghraib weltweit für Empörung gesorgt hatten. So seien Insassen mit Menstruationsblut beschmiert, in fötaler Position an den Boden gekettet oder während eines Verhörs mit Parfüm eingerieben worden.

bac WASHINGTON. Der mutmaßliche 20. Attentäter vom 11. September, Mohammed Qahtani, sei Ende 2002 gezwungen worden, Damenunterwäsche auf dem Kopf zu tragen und sich mit einer Hundeleine an der Fußkette herumführen zu lassen. Die Vernehmungsbeamten bezeichneten die Methoden als „kreativ“ und „aggressiv“. Sie sprachen bei diesen Methoden jedoch nicht von Folter. Dennoch empfahlen die Autoren des Untersuchungsberichts eine förmliche Abmahnung des früheren Befehlshabers von Guatánamo, Generalmajor Geoffrey Miller. Dies wurde jedoch vom Kommandeur des US-Oberkommandos Süd, General Bantz Craddock, abgelehnt. Das Verhör von Qahtani habe „solide Erkenntnisse“ über die Funktionsweise des Terrornetzwerks El Kaida gebracht, sagte Craddock am Mittwoch bei einer Anhörung im US-Senat. Die Demokraten im Senatsausschuss kritisierten, dass Miller wegen der Verfehlung in beiden Gefangenenlagern nicht haftbar gemacht werden könne. Wegen der Misshandlungen sei kein höherer Offizier zur Rechenschaft gezogen worden, betonte Senator Jack Reed. Miller war im September 2003 in den Irak gereist, um das Gefängnis Abu Ghraib aufzubauen. Später schickte er Verhörspezialisten („Tiger-Teams“) aus Guantánamo als Berater in den Irak.

Der Report unterstreicht, dass die Missbrauchsfälle von Abu Ghraib nicht nur auf eine kleine Gruppe von Militärpolizisten beschränkt war. Er bestätigt ferner, dass amerikanische Soldaten Verhörmethoden wie die Verhüllung von Häftlingen durch Kapuzen oder sexuelle Erniedrigung für legitim hielten. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte im Dezember 2002 16 strenge Befragungs-Techniken für Guantánamo genehmigt. Viele dieser Methoden waren jedoch allgemein gehalten und gaben den Vernehmungsbeamten Interpretationsspielraum.

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