Verschleppte Ingenieure: Bosbach will Chef der Irak-Geiseln zur Kasse bitten

Verschleppte Ingenieure
Bosbach will Chef der Irak-Geiseln zur Kasse bitten

Von den im Irak verschleppten deutschen Ingenieuren fehlt weiterhin jede Spur. Eine Zeitung will erfahren haben, dass die beiden Männer von Anhängern des ehemaligen Präsidenten Saddam Hussein entführt wurden. Indes plant der Unions-Fraktionsvize Bosbach, die sächsische Firma Cryotec an den Kosten beteiligen, falls es zur Freilassung kommt.

HB BERLIN. Laut Angaben eines Mitarbeiters des US-Geheimdienstes CIA im Irak sei davon auszugehen, dass die zwei Ingenieure vom harten Kern des irakischen Widerstands gekidnappt wurden, berichtet der Berliner "Tagesspiegel". Lösegeld spiele für solche Geiselnehmer keine große Rolle, habe der CIA-Mitarbeiter erklärt. In den Augen der Terroristen seien Techniker wie die Deutschen Kollaborateure der irakischen Regierung und der US-Besatzer.

Der US-Geheimdienstmann, der ungenannt habe bleiben wollen, habe erklärt, die Geiselnehmer wollten vermutlich demonstrieren, wie unsicher der Irak für westliche Ausländer sei. Das US-Militär in der Region beteilige sich intensiv an der Suche nach den Entführten. Schon kurz nach Bekanntwerden der Entführung seien Drohnen eingesetzt worden, die mit Wärmebildkameras verdächtige Bewegungen auf dem Boden registrieren sollten.

Der "Tagesspiegel" berichtete weiter, der CIA-Mann habe kritisiert, elementare Sicherheitsregeln seien verletzt worden. "Niemals dürfen sich Ausländer, die im Irak arbeiten, ohne Bodyguards bewegen", zitierte die Zeitung den Mann. Die beiden Deutschen seien aber nur mit einem Deutschiraker und ihrem irakischen Fahrer in Baidschi unterwegs gewesen, als sie entführt worden seien. Außerdem sei die Unterbringung in einer Kaserne der irakischen Sicherheitskräfte aus Sicht des CIA-Mitarbeiters ein schwerer Fehler gewesen. Bekanntlich habe der irakische Widerstand Teile von Polizei und Militär unterwandert, habe der Mann erklärt.

Die Bundesregierung hat weiter keinen Kontakt zu den Entführern der zwei deutschen Ingenieure im Irak. Es gebe keine neuen Entwicklungen, ein Kontakt habe bisher nicht hergestellt werden können, sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, am Donnerstag in der ARD. Der Krisenstab arbeite ununterbrochen, um die beiden am Dienstag entführten Männer zu retten. Am Vormittag will das Gremium nach Angaben einer Ministeriums-Sprecherin erneut zu einer Sitzung zusammentreten. Die Sachsen waren in der Industriestadt Baidschi verschleppt worden, die als gefährlichste Region des Landes gilt.

Staatsminister übte indirekt erneut Kritik an den Verantwortlichen der Firma. So werde in den Warnhinweisen des Auswärtigen Amts von Reisen in den Irak abgeraten. Zudem seien alle deutschen Staatsangehörigen aufgefordert, das Land zu verlassen. „Das ist von jedem zu beachten, der ein Entscheidungsträger ist und der hier eine Entscheidung trifft“, sagte der SPD-Politiker.

Auch Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach sprach sich dafür aus, im Falle einer Freilassung der beiden Ingenieure deren Arbeitgeber an den Kosten zu beteiligen. Es sei nur „recht und billig, dass die Kosten nicht zu 100 Prozent vom Steuerzahler getragen werden“, sagte Bosbach dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die sächsische Firma „Cryotec“, bei der die beiden Ingenieure angestellt sind, müsse zur Kostentilgung herangezogen werden. Es gehe um einen symbolischen Beitrag, nicht um Schadenersatz.

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