Verschmutzungsrechte
EU will Emissionshandel im Luftverkehr

In der internationalen Luftfahrtorganisation ICAO haben sich 190 Staaten darauf geeinigt, die Emissionen von Flugzeugen senken - aber erst nach 2020 und ohne konkrete Werte. Währenddessen wird die EU in ihrem Hoheitsbereich ab 2012 den Emissionshandel auch auf den Luftverkehr ausweiten.
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BRÜSSEL. Die EU kann einen diplomatischen Sieg im Kampf gegen den Ausstoß von CO2 verbuchen. Die internationale Luftfahrtorganisation ICAO verabschiedete ein Klimaschutzkonzept, dass auch dem Vorhaben der Europäer Rechnung trägt, ab 2012 den Flugverkehr in den Emissionshandel einzubeziehen.

EU-Transportkommissar Siim Kallas sprach von einem Durchbruch: "Zum ersten Mal hat sich ein Transportsektor weltweit auf Klimaschutzziele geeinigt." Gleichwohl sind Kritikern die Ziele nicht ambitioniert genug. Die Emissionen des internationalen Luftverkehrs machen rund drei Prozent der globalen Treibhausgasemissionen aus - Tendenz steigend. Allein seit 1990 haben sich die Emissionen des Luftverkehrs fast verdoppelt.

Grundsätzlich einigten sich die 190 Staaten der Uno-Unterorganisation ICAO darauf, die Emissionen im Luftverkehr ab 2020 zu reduzieren - auf konkrete Zahlen hat man sich aber nicht verständigen können. Dagegen hätte vor allem China opponiert, aber auch Argentinien und die Vereinigten Arabischen Emirate, hieß es in EU-Kreisen. Die Unterhändler vereinbarten, dass der Treibstoffverbrauch des weltweiten Luftverkehrs bis 2050 jährlich um zwei Prozent gesenkt werden soll. Zudem sollen alternative Treibstoffe geprüft werden und der Kohlendioxid-Ausstoß nicht über das Maß des Jahres 2013 hinausgehen. Bislang war der Wert jedes Jahr gestiegen. Staaten, deren Anteil am globalen Flugverkehr ein Prozent oder weniger beträgt, sind ausgeklammert.

Klimazertifikate werden in Europa ab 2012 Pflicht

Die EU selbst drängt auf stärkeren Klimaschutz und wird den Luftverkehr in den Emissionsrechte-Handel einbeziehen. Airlines, die in Europa starten oder landen, müssen ab 2012 Verschmutzungsrechte erwerben. 85 Prozent der Zertifikate werden kostenlos vergeben, die übrigen 15 Prozent müssen die Unternehmen kaufen. Damit macht die EU von ihrem Recht Gebrauch, das internationale Abkommen für den eigenen Hoheitsbereich zu verschärfen. Die ICAO-Vereinbarung erlaubt dieses ausdrücklich.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent

Kommentare zu " Verschmutzungsrechte: EU will Emissionshandel im Luftverkehr"

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  • Vielleicht solte das Handelsblatt darauf achten, dass es keinen EU-Hoheitsbereich gibt. Denn die EU ist kein Staat. Hoheitsrechte kann nur ein Staat haben. Und Mitglied der iCAO ist auch nicht die EU selbst, sondern jeder einzelne Mitgliedsstaat. Die EU hat nur einen beobachterstatus.

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