Verschrottung abgeblasen: Chirac beordert Asbest-Flugzeugträger zurück

Verschrottung abgeblasen
Chirac beordert Asbest-Flugzeugträger zurück

Frankreichs Versuch, seinen mit Asbest gespickten ausgedienten Flugzeugträger „Clemenceau“ kostengünstig in Indien abwracken zu lassen, darf als gescheitert betrachtet werden: Kurz vor dem Ziel hat Präsident Jacques Chirac den Befehl „Volle Kraft zurück“ gegeben. Er beugt sich einem Gerichtsentscheid - und dem öffentlichen Druck.

HB PARIS/ALANG. Chirac zog damit die Konsequenzen aus der Entscheidung des Staatsrats, der die weitere Fahrt des Schiffes zur umstrittenen Verschrottung in Alang an der indischen Nordwestküste gestoppt hatte. Das oberste Verwaltungsgericht war einem Antrag von Umweltschutzgruppen und des unabhängigen Regierungskommissars Yann Aguila gefolgt. Dieser hatte geltend gemacht, ein Abwracken des ausgemusterten Trägers auf dem größten Schiffsfriedhof der Welt widerspreche europäischen Abfallregelungen.

Die „Clemenceau“ hätte in zwei Wochen Indien erreicht. Da vor dem indischen Verfassungsgericht parallel eine Klage gegen die Verschrottung lief, musste der Träger bis zu dieser Entscheidung ohnehin außerhalb der Hoheitsgewässer des Landes bleiben. Chirac wendet mit seiner Entscheidung auch eine Belastung seines bevorstehenden Indien-Besuchs ab. Der Präsident will das Land vom 19. bis 21. Februar bereisen.

Heute ein schwimmender Schrotthaufen, war die „Clemenceau“ mit Jets, Hubschraubern und fast 2 000 Mann Besatzung einst der Stolz der französischen Marine. 1997 ist „Clem“, wie der Koloss im Militärjargon hieß, ausgemustert worden und irrt über die Meere. Seit Jahren versucht Frankreich, das Schiff loszuwerden. Doch das ist schwieriger als gedacht und entwickelte sich zur Staatsaffäre. Sogar die Brüsseler EU-Kommission hat sich schon eingeschaltet und untersucht, ob eine Verschrottung in Indien überhaupt legal ist.

Greenpeace wirft der französischen Regierung vor, „das Entsorgungsproblem loswerden zu wollen und damit die Gesundheit der Arbeiter in Indien aufs Spiel zu setzen“. Für die Umweltschützer ist die „Clemenceau“ nichts anderes als eine „schwimmende Mülltonne“. Auch die sozialistische Opposition Frankreichs protestiert gegen die Abschiebung nach Indien. Die französische Regierung ist dennoch überzeugt, dass der Plan dieses Mal aufgehen wird.

Ursprünglich sollte die „Clemenceau“ bereits vor fünf Jahren versenkt werden, was Umweltschützer verhinderten. Im Herbst 2003 kaufte eine spanische Werft das Wrack. Als die neuen Besitzer es aber nicht nach Spanien, sondern in östliche Richtung überführen ließen, stoppte die französische Marine den Transport und kündigte den Vertrag mit den Spaniern. Diese hatten das Schiff still und leise einem türkischen Unternehmen zum Zerlegen angedient, denn dort gelten lockere Umweltgesetze. Danach sollte die „Clemenceau“ in Griechenland entsorgt werden, aber die Behörden dort verweigerten die Einfahrt. Das Schiff kehrte mal wieder in seinen Heimathafen Toulon zurück.

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