Verschuldungskrise
Wie die Euro-Zone wieder eine Perspektive bekommt

Die Euro-Zone kommt nicht zur Ruhe. In Italien sitzt der Rating-Schock noch tief, und auch in Athen bahnt sich wegen neue Sparauflagen neues Ungemach an. Wirtschaftsforscher Horn skizziert einen Ausweg aus dem Dilemma.
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DüsseldorfNach Einschätzung des Direktors des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, wird der neue, noch drastischere Sparkurs in Griechenland die Krise des Mittelmeerstaats noch verschärfen. Der politische Prozess drohe zu entgleisen. „Die überaus harten Sparauflagen, die eine in weiten Teilen die an der Verschwendung unschuldige Bevölkerung treffen, verlieren vorhersehbar an Akzeptanz“, sagte Horn Handelsblatt Online. „Es ist zweifelhaft, ob dieser Prozess fortwährend höherer Belastung, der das Land in eine tiefe Depression geführt hat, noch lange fortgesetzt werden  kann.“ Diese Strategie der Austerität sei zum Scheitern verurteilt.

Wirtschaftsforscher Horn fürchtet zudem, dass sich durch eine abnehmende Hilfsbereitschaft in Deutschland die Krise europaweit noch zusätzlich verschärfen könnte. In Deutschland hätten weite Kreise in der ökonomischen Wissenschaft, der Politik, aber auch in der Bundesbank bereits die Währungsunion “bewusst oder unbewusst aufgegeben“. Daher sei es fraglich, ob die  politischen Mehrheiten für die Unterstützung der Krisenländer noch lange erreicht werden  könne. „Das Ergebnis ist maximale Verunsicherung“, warnte der IMK-Chef. Dabei seien dringend mehr Sicherheit und Vertrauen an den Märkten nötig.

Die vom EU-Finanzministerrat geplanten Schritte hin zu einer Erweiterung des Krisenfonds ESFS und der Schaffung des permanenten Euro-Rettungsfonds ESM seinen im Prinzip richtig. Sie müssten nur „zügig“ angegangen werden, sagte Horn. „Zur Vertrauensbildung wäre es nunmehr erforderlich, dass die Altschulden der Krisenländer für  ihre Restlaufzeit garantiert werden“, schlug der IMK-Chef vor. Erst mit neuen Schulden sollten auch neue Regeln gelten. „Zudem müssten die Konsolidierungsprogramme auf ein vernünftiges Maß, das die Volkswirtschaften nicht zum Absturz bringt, zurückgeführt werden“, so Horn. „Dann hätte die Währungsunion wieder eine Perspektive, auch auf den Märkten.“ 

Unter dem Druck der internationalen Kreditgeber hatte die Regierung in Athen am Mittwochabend weitere Sparmaßnahmen angekündigt. Demnach sollen die Renten von mehr als 1200 Euro im Monat gekürzt und der Steuerfreibetrag von 12.000 auf 5000 Euro gesenkt werden. 30.000 Angestellte des öffentlichen Dienstes sollen bis zum Ende des Jahres in Kurzarbeit geschickt werden. Unmittelbar nach Bekanntgabe der Pläne waren in Athen Demonstranten auf die Straße gegangen.

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  • Die Währungsunion wird nicht kommen! Sollten dämliche deutsche
    Politiker dem zustimmen, so wird es an Ländern wie Holland,
    Finnland,Österreich oder der Slowakei scheitern,da dort ja
    Volksabstimmungen, Referenden kommen werden und ja überall
    keine demokratische Mehrheit für diesen Unsinn gegeben ist!

  • Herr Horn ist auch so ein verblendeter "Retter". Schluss damit! Nicht nur in Deutschland wollen die Bürger nicht immer noch mehr Geld und noch mehr Risiken tragen. Und es ist Unfug zu glauben, dass die EU-Troika etwas anderes als gute Fortschritte in Griechenland attestiert und damit dem Pleiteland Nr. 1 weitere "Hilfsgelder" bewilligt. Ich kann Herrn Horn und all den anderen "Rettern" diesen Artikel hier empfehlen: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,787587,00.html

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