Verschwundene Jugendliche
Israel nimmt massenhaft Hamas-Mitglieder fest

Eine Woche ist seit dem Verschwinden von drei jüdischen Jugendlichen im Westjordanland vergangen, von den Entführten fehlt jede Spur. Israel macht die Hamas dafür verantwortlich und verhaftet 300 ihrer Mitglieder.
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Gaza/JerusalemIsrael geht eine Woche nach dem Verschwinden von drei jüdischen Jugendlichen im Westjordanland weiter massiv gegen die Hamas vor. Ein Sprecher der radikalislamischen Palästinenserorganisation warf Israel am Donnerstag vor, es habe mit seiner jüngsten Offensive im Westjordanland das „Tor zur Hölle“ aufgestoßen. „Die gegenwärtige Eskalation der Lage durch die israelischen Besatzungstruppen ist sehr schwerwiegend“, sagte Sami Abu Suhri vor Journalisten in Gaza.

Ein versuchter Anschlag der Hamas auf Israel schlug am Donnerstag offenbar fehl: Bei dem Einsturz eines Tunnels am Rande des Gazastreifens wurden fünf Hamas-Mitglieder getötet. Die Männer seien an der Grenze zu Israel unterwegs zu einem „militärischen Einsatz“ gewesen, teilte Hamas mit. Der Tunnel sei bei einem israelischen Luftangriff schwer beschädigt worden und als die fünf Mitglieder des Militärflügels der Hamas ihn betraten, sei er eingestürzt.

Der Hamas-Sprecher sagte in Gaza, besonders schlimm seien israelische Pläne, Hamas-Führer aus dem Westjordanland zu verbannen. Nach Medienberichten erwägt Israel ihre Ausweisung in den Gazastreifen. Bisher sind im Rahmen der Operation „Bruders Hüter“ rund 300 Palästinenser festgenommen worden, die meisten davon Hamas-Mitglieder. Israel macht Hamas für die Entführung von drei Schülern einer Religionsschule im Westjordanland verantwortlich. Die Jugendlichen im Alter von 16 bis 19 Jahren werden seit einer Woche vermisst.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas zum Bruch mit der Hamas aufgefordert. „Ich erwarte, dass Präsident Abbas das Bündnis mit dieser mörderischen Terroristenorganisation aufkündigt“, sagte der Regierungschef am Donnerstag bei einem Besuch bei Truppen. „Ich glaube, das ist wichtig für unsere gemeinsame Zukunft.“

Die israelische Zeitung „Haaretz“ schrieb am Donnerstag, Netanjahus Regierung wolle angesichts der Entführung weitere Millionengelder für die Siedlungen billigen. In einem ersten Schritt solle am Sonntag angesichts der veränderten Sicherheitslage eine Zahlung von fünf Millionen Schekel (knapp eine Millionen Euro) genehmigt werden.

Abbas hatte die Entführung am Mittwoch deutlich verurteilt und eine Freilassung der Jugendlichen gefordert. Seine gemäßigte Fatah hatte zu Monatsbeginn eine Einheitsregierung mit Hamas gebildet. Israel boykottiert das Kabinett, in dem allerdings nur unabhängige Experten und keine Mitglieder von Fatah oder Hamas sitzen.

Nach Angaben palästinensischer Menschenrechtler durchsuchten Soldaten bislang etwa 12 000 Häuser. Dabei habe die Armee vor allem in Nablus im nördlichen Westjordanland viel Sachschaden angerichtet, hieß es. Die Palästinenserführung hat die Maßnahmen als kollektive Bestrafung verurteilt.

Israelische Kampfjets flogen in der Nacht zum Donnerstag erneut mehrere Angriffe gegen Trainingslager und Stützpunkte der Hamas im Gazastreifen. Dabei wurde nach Angaben von Sanitätern mindestens ein Mensch verletzt. Den Luftschlägen waren Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf israelisches Gebiet vorangegangen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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