Verseuchtes Milchpulver
EU erlässt Schutzmaßnahmen gegen Milchprodukte aus China

Angesichts des Skandals um verseuchte Milchprodukte plant die Europäische Kommission ein Importverbot für möglicherweise riskante Lebensmittel für Kinder aus China. Unterdessen will China seine Lebensmittelkontrollen drastisch verschärfen.

BRÜSSEL/PEKING. Als Konsequenz aus dem sich ausweitenden Milchskandal in China verbietet die EU ab Freitag die Einfuhr aller chinesischen Milchprodukte für Kinder. Zudem solle jedes Produkt aus China, das mehr als 15 Prozent Milchpulver enthält, untersucht werden, kündigte die Europäische Kommission am Donnerstag in Brüssel an.

Zu den Produkten gehörten auch Schokolade und Kekse. Die Kommission habe dies den Handelsexperten der 27 Mitgliedstaaten vorgeschlagen. Der chinesische Milchskandal hat sich in den vergangenen Tagen immer weiter ausgeweitet.

Fast 13 000 Kinder werden in Kliniken behandelt, weil sie sich mit Melaminhaltiger Milch vergiftet haben. Mehrere Länder haben den Import chinesischer Milchwaren bereits verboten.

Unterdessen will China seine Lebensmittelkontrollen drastisch verschärfen. In fast allen Provinzen des Landes sollen Arbeitsgruppen künftig Herstellung und Vertrieb von Milchprodukten steuern, meldete die Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag unter Berufung auf das Landwirtschaftsministerium. Landesweit sollen innerhalb der nächsten zwei Jahre 400 neue Testzentren entstehen und die Milchbauern mit Subventionen bei den Futterkosten entlastet werden.

80 der neuen Testzentren sollen sich allein um die Qualität von Lebensmitteln kümmern, teilte ein Vertreter der staatlichen Qualitätskontrolle, Hou Linglin, auf einer Konferenz über Nahrungsmittelsicherheit in Peking mit. Diese neue Infrastruktur sei bitter nötig, betonte er.

Angesichts der rasant wachsenden Lebensmittelproduktion kämen die zentralen und lokalen Behörden mit ihren Investitionen in die Kontrolle kaum nach. Fast die Hälfte der dafür eingesetzten Apparate seien inzwischen hoffnungslos veraltet, sagte Hou.

Nach heftigen Protesten gegen die Entscheidung der taiwanischen Behörden, den Verkauf von geringfügig mit Melamin verseuchten chinesischen Milchprodukten doch wieder zuzulassen, bot Gesundheitsminister Lin Fang-yue unterdessen seinen Rücktritt an.

Er bedauere, dass die Nachricht bei der Bevölkerung falsch angekommen sei und Sorge ausgelöst habe, sagte Lin in Taipeh. Er habe dafür die Verantwortung übernommen und noch am Morgen sein Rückstrittsgesuch eingereicht. Ob seine Demission angenommen wird, war zunächst unklar.

Lin verteidigte seine Entscheidung. Bei dem Grenzwert für Melamin hätten sich die Gesundheitsbehörden an eine Richtlinie der US-Lebensmittelaufsicht FDA gehalten. Geringfügige Mengen der Chemikalie könnten auch aus der Verpackung stammen - «aber ich betone nochmals, Melamin ist kein Nahrungsergänzungsmittel», sagte der Minister.

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