Versöhnungsgeste
Queen ehrt Republikaner in Irland

Eine große Versöhnungsgeste nach jahrhundertelanger Feindschaft: Die britische Königin Elisabeth II. hat bei ihrem ersten Besuch in Dublin irische Unabhängigkeitskämpfer geehrt. Die Ehrung wurde aber überschattet.
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DublinDie Monarchin legte am Dienstag an einer Gedenkstätte einen Kranz zu Ehren der Nationalisten nieder, die gegen die britische Herrschaft kämpften. Es war der erste Besuch eines britischen Monarchen seit der Unabhängigkeit Irlands 1921. Die Queen wurde von ihrem Mann, Prinz Philip, begleitet, dessen Onkel 1979 von irischen Extremisten umgebracht wurde. Überschattet wurde der mehrtägige Besuch vom Fund eines Sprengsatzes, der von den Behörden kontrolliert zur Explosion gebracht wurde.

Der Erinnerungsgarten in Dublin gilt als nationales Heiligtum in Irland. Für den Besuch, der von 6000 Polizisten und Soldaten abgesichert wird, wurde dort die britische Nationalhymne gespielt. Etwa 200 Demonstranten bewarfen Beamte mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern und wurden mit Schlagstöcken zurückgedrängt.

Der selbstgebaute Sprengsatz wurde bereits am Montagabend in einem Bus gefunden, der Richtung Dublin unterwegs war. Soldaten sprengten ihn in der Ortschaft Maynooth, etwa 25 Kilometer außerhalb der Hauptstadt. Zuvor hatte es eine telefonische Warnung bei der Polizei gegeben. Als Bombenleger werden militante Nationalisten vermutet, die sich dagegen wehren, dass Nordirland weiterhin zu Großbritannien gehört. Der Konflikt reicht Jahrhunderte zurück und entzündete sich vor allem an der Besiedlung der überwiegend katholischen Insel durch britische Protestanten.

Scharfe Sicherheitsvorkehrungen

Angesichts des historischen Besuches gab es scharfe Sicherheitsvorkehrungen. Soldaten und Polizisten patrouillierten im Stadtzentrum Dublins. Straßen waren kilometerweit abgesperrt. Tausende Gullydeckel wurden versiegelt und verdächtige Dissidenten in Gewahrsam genommen. In der nordirischen Stadt Belfast wurde das größte Einkaufszentrum nach einem Bombenalarm geräumt. Auch in London ging am Montag eine Bombenwarnung ein.

Unters Volk wird sich die Königin bei ihrem mehrtätigen Besuch nicht mischen. Schaulustige werden allenfalls einen kurzen Blick auf das Königspaar werfen können, das in einem aus Nordirland herangeschafften gepanzerten Land Rover unterwegs ist.

Während sich viele Iren als stolze Republikaner sehen, gibt es ein großes Interesse an Klatsch und Tratsch aus dem britischen Königshaus. Während der Fernsehübertragung der Hochzeit von Prinz William und Catherine Middleton Ende April wirkten viele Straßen wie ausgestorben. Auch weil Iren über Generationen in das Nachbarland auswanderten, gibt es inzwischen enge Verbindungen zwischen den einstigen Feinden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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