Verspäteter Schritt
Nordkorea legt Atomprogramm-Liste vor

Nordkorea hat China eine Liste seiner Atomeinrichtungen und Plutoniumvorräte übergeben. Das teilte die chinesische Regierung in Peking mit. Pjöngjang kommt damit einem Versprechen aus dem vergangenen Jahr nach - die Vollständigkeit der Liste vorausgesetzt.

TOKIO. Die USA haben die Übergabe der nordkoreanischen Atomliste begrüßt. Zugleich unterstrich die Regierung in Washington ihre Absicht, im Gegenzug das Land binnen 45 Tagen von der Liste der Terrorismus-Unterstützerstaaten zu streichen und Handelssanktionen gegen Pjöngjang aufzuheben. Die Vorlage der Liste sei „ein wichtiger Schritt“ in den Sechs-Parteien-Gesprächen, hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses vom Donnerstag.

Mit Übergabe der Liste gilt als abgemacht, dass die USA das abgeriegelte Land früher oder später von seiner Liste der Staaten streicht, die den Terrorismus unterstützen. Auch die Verspätung von einem halben Jahr gilt nicht mehr als schweres Problem, seit die USA im Umgang mit Nordkorea auf sanft geschaltet haben.

„Es gibt aber noch viel zu tun, damit Nordkorea seine Isolation beendet“, hieß in der US-Mitteilung weiter. So müsse Pjöngjang alle seine Atomanlagen demontieren, sein Plutonium aushändigen, und „noch offene Fragen hinsichtlich seines angereicherten Urans und seiner Weiterverbreitungs-Aktivitäten beantworten“.

Seit vergangenem Herbst ist Washington darauf bedacht, sich angesichts weiterer Krisenherde zumindest in Ostasien den Rücken frei zu halten. Die kompromissbereite Haltung wiederum passt Japan gar nicht. „Wir würden uns wünschen, dass die USA die Trumpfkarte der Terrorliste nutzen, um uns bei der Lösung des Entführungsproblems zu helfen, statt sie einfach so zu spielen“, sagte Außenminister Masahiko Komura.

Um die enttäuschten Japaner zu beruhigen, telefonierte US-Präsident Bush mit Japans Premier Yasuo Fukuda. Medienberichten zufolge versicherte er Japan der vollen weiteren Kooperation in der Frage der entführten Staatsbürger. Das bedeutet umgekehrt, dass er trotz japanischer Bedenken von der eventuell geplanten Streichung Nordkoreas von der Terrorliste nicht abrücken will. Auf diese Liste setzen die USA diejenigen Länder, die ihrer Ansicht nach staatlicherseits Anschläge unterstützen. Derzeit sind dies neben Nordkorea noch Kuba, Iran, Sudan und Syrien.

Da Amerika gegen diese Länder Sanktionen verhängt, war die Streichung von der Liste ein wichtiges Element in den Verhandlungen. Solange die Ausfuhr nordkoreanischer Waren in die USA nicht erlaubt sind, können beispielsweise südkoreanische Firmen in der Sonderwirtschaftszone Kaesong nur eingeschränkt für den Export produzieren. Die Sonderwirtschaftszone liegt auf dem Boden des Nordens und bringt dem ressourcenarmen Staat Devisen.

In den 70er- und 80er-Jahren haben nordkoreanische Agenten Japaner an der Küste ihres Inselreichs aufgegriffen und verschleppt. Die japanische Regierung spricht von 17 Betroffenen, die Koreaner haben bisher nur 13 Fälle zugegeben. In Norkorea dienten die Entführten als Sprachlehrer oder Schauspieler.

Die Frage der Verschleppungen ist den Japanern außerordentlich wichtig. Sie haben jedoch zuletzt angesichts deutlicher Fortschritte im Dialog mit Nordkorea Probleme, sich mit ihrem Anliegen durchzusetzen. Durch ihr Beharren auf eine komplette Offenlegung durch Pjöngjang sind sie vielmehr in die Ecke des Blockiers geraten, der nicht nach vorne schaut

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Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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