Verspätungen
Passagiere müssen US-Haushaltskürzungen ausbaden

Weil die US-Luftfahrtbehörde FAA etwa fünf Prozent des jährlichen Budgets einsparen muss, schickt sie kurzerhand die Fluglotsen in den unbezahlten Urlaub. An den US-Großflughäfen kommt es zu Verspätungen.
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WashingtonDie automatischen Kürzungen der Staatsausgaben in den USA machen sich zunehmend im Flugverkehr bemerkbar. Nach Angaben der US-Luftfahrtbehörde FAA vom Mittwoch verspäteten sich wegen der Einsparungen bei den Fluglotsen in den vergangenen Tagen tausende Flüge. Die FAA betonte aber, dass die Sicherheit im Flugverkehr weiter gewährleistet sei.

Mehr als tausend Flüge hätten alleine am Dienstag im Zusammenhang mit den Kürzungen nicht planmäßig starten können, teilte die FAA mit. Die Verspätungen auf den New Yorker Flughäfen lagen im Schnitt zwischen 75 und 140 Minuten. In Washington mussten die Fluggäste 75 Minuten mehr Zeit mitbringen. Auch andere Großflughäfen, etwa in Los Angeles und Chicago, waren betroffen. Für Montag hatte die FAA 1200 und für Sonntag 400 verspätete Flüge gemeldet.

Die FAA muss bis zum Ende des Haushaltsjahres 2013 im September insgesamt 637 Millionen Dollar (490 Millionen Euro) einsparen. Die Summe entspricht etwa fünf Prozent des jährlichen Budgets. Die Behörde bemühte sich nach eigenen Angaben, die Auswirkungen auf den Flugverkehr so gering wie möglich zu halten. Es wurde aber erwartet, dass die Beeinträchtigungen bis zum Herbst anhalten, weil die Zahl der Fluglotsen im Dienst um zehn Prozent verringert wurde.

Die 47.000 Mitarbeiter der Luftfahrtbehörde müssen wegen der Etatkürzungen seit Sonntag an mehreren Tagen unbezahlten Urlaub nehmen. FAA-Chef Michael Huerta legte am Mittwoch bei einer Anhörung im US-Kongress allerdings Wert darauf, dass die Kürzungen "keinerlei Auswirkungen" auf die Sicherheit im US-Luftraum hätten.

In Washington weisen sich Politiker jetzt gegenseitig die Schuld für die Unannehmlichkeiten an den Flughäfen zu. Die Republikaner warfen US-Präsident Barack Obama vor, seine Regierung behindere ohne Not den Flugverkehr, um im Haushaltsstreit die Oberhand zu gewinnen. Nach dem Scheitern der Verhandlungen zwischen Obamas Demokraten und den Republikanern im Kongress greifen seit dem 1. März automatische Kürzungen von 85 Milliarden Dollar quer durch alle Ressorts.

Die Republikaner ließen sich zu dem Anlass ein neues Twitter-Hashtag einfallen: #ObamaFlightDelays. "Das Weiße Haus könnte Obamas Flugverspätungen verhindern. Warum tut es nichts dagegen?", twitterte John Boehner, der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, am Montag. Eric Cantor, der republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, twitterte unter demselben Hashtag: "Warum verspätet Präsident Obama unnötig unsere Flüge?"

Die Fluglotsen, die bis Ende September elf unbezahlte Urlaubstage nehmen müssen, verkünden ebenfalls ihren Unmut. "Das Luftfahrtsystem unseres Landes hätte nie zum politischen Spielball werden dürfen", sagte Paul Rinaldi, Vorsitzender der Lotsenvereinigung National Air Traffic Controllers Association (NATCA) am Freitag.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Annika Reinert
Annika Williamson
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin

Kommentare zu " Verspätungen: Passagiere müssen US-Haushaltskürzungen ausbaden"

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  • "..Passagiere müssen .... ausbaden..."

    Schluss - jetzt wird endlich gespart!!! Einer muss den Anfang machen.

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