Verständigung
Auch Sarkozy macht sich für Dalai Lama stark

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat sich bei seinem chinesischen Amtskollegen Hu Jintao für die kulturelle und religiöse Autonomie Tibets eingesetzt. Der französische Präsident warb für einen Dialog zwischen China und dem Dalai Lama –doch eine staatliche Unabhängigkeit Tibets kommt zur Zeit nicht in Frage.

PEKING. Sarkozy sei ebenso wie sein Vorgänger Jacques Chirac der Auffassung, dass es nur ein China gebe und dass sowohl Tibet als auch Taiwan Teil dieses einen China seien, hieß es nach einer Unterredung Sarkozys mit Hu Jintao am Sonntag in französischen Regierungskreisen. Sarkozy habe die chinesische Führung aber ermutigt, den Tibetern mehr religiöse und kulturelle Autonomie zu gewähren und in diesem Sinne auch für einen Dialog Chinas mit dem Dalai Lama geworben.

Sarkozy ist am Samstag zu seinem ersten Staatsbesuch in China eingetroffen. Am Rand der Visite war auch von den andauernden deutsch-chinesischen Spannungen die Rede. Die chinesische Regierung nimmt Bundeskanzlerin Angela Merkel weiterhin übel, dass sie den Dalai Lama offiziell im Kanzleramt empfing. Französische Diplomaten bestritten ausdrücklich, dass Frankreich aus dieser Situation jetzt Kapital schlagen wolle auf Kosten der deutschen Wirtschaft. Falls Sarkozy Aufträge aus China mitbringe, werde auch Deutschland davon profitieren.

Der deutsch-französische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hofft, dass China das neue Modell A350 ordert und der Atomkonzern Areva wird heute voraussichtlich mit China einen Vertrag über den Bau von zwei Europäischen Druckwasserreaktoren EPR unterzeichnen. Beide Aufträge kämen auch der deutschen Wirtschaft zu gute, hieß in den französischen Kreisen mit Verweis auf die Beteiligung von Siemens an der Areva-Kraftwerkstochter Areva NP.

Sarkozy drängte seinen chinesischen Kollegen darüber hinaus, gegen den schwachen Yuan anzugehen. China spiele „eine wichtige Rolle“ beim Kampf gegen die „wachsenden Ungleichgewichte“ zwischen den Weltwährungen. Französische Diplomaten verwiesen auf die riesigen Dollar-Devisenreserven Chinas.

Sarkozy drängte den chinesischen Präsidenten außerdem, mehr für den Umweltschutz zu tun. „Ich wünsche, dass China der Umweltpolitik dieselbe Priorität einräumt wie wir“, sagte Sarkozy vor der französisch-chinesischen Handelskammer. Das schnelle Wachstum der chinesischen Wirtschaft dürfe nicht einhergehen mit einer weltweiten Verschlechterung der ökologischen Lage.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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