Versuchter Grenz-Übertritt: Bulgarische Wachen erschießen Flüchtling

Versuchter Grenz-Übertritt
Bulgarische Wachen erschießen Flüchtling

Beim Versuch, die bulgarische Grenze illegal zu überqueren, wurde ein afghanischer Flüchtling von Wachen erschossen. Regierungschef Boiko Borissow verließ wegen der Berichte abrupt den EU-Gipfel in Brüssel.

SofiaBulgarische Grenzwachen haben am Donnerstagabend einen afghanischen Flüchtling beim Versuch, illegal über die Grenze zu kommen, erschossen. Eine Sprecherin des bulgarischen Innenministeriums sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Mann habe gemeinsam mit einer größeren Gruppe versucht, von der Türkei aus nach Bulgarien zu kommen. Dabei sei er von einer Kugel getroffen worden, auf dem Weg zum Krankenhaus sei er dann seinen Verletzungen erlegen. Der Vorfall ereignete sich demnach in der Nähe der südostbulgarischen Kleinstadt Sredez.

Nach einem Bericht des Rundfunksenders BNR hatte eine Grenzpatrouille 48 Afghanen gestoppt, die ihren Anordnungen, umgehend umzukehren, nicht folgen wollten. Laut dem Sender sollen Ermittlungen nun herausfinden, ob der Mann bewaffnet war und die Grenzpolizisten einen Schuss erwiderten oder ob sie Warnschüsse in die Luft abgaben und dabei das Opfer getroffen wurde.

Bulgariens Regierungschef Boiko Borissow hat wegen der Berichte über eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen Grenzschützern und Flüchtlingen abrupt den EU-Gipfel in Brüssel verlassen. Gipfelchef Donald Tusk sagte am frühen Freitagmorgen, Borissow habe ihn über die Berichte informiert, bevor er das Treffen verlassen habe.

Auf dem Gipfel hatten sich die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union darauf verständigt, die EU-Außengrenzen zu stärken. Zudem stritten sie darüber, was mit den rund 500 000 Migranten und Flüchtlingen geschehen solle, die Europa allein in diesem Jahr erreicht haben.

„Für mich ist das das nächste Argument dafür, wie wichtig unsere Diskussion heute Abend war. Schutz unserer Außengrenzen hat oberste Priorität“, sagte Tusk. „Herr Borissow ist sich der Sache absolut bewusst, dass wir bereit sind zu helfen.“

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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