Verteidigungsbündnis
Nato stockt Afghanistan-Truppen nicht auf

Die Nato will vorerst keine weiteren Soldaten nach Afghanistan entsenden, sondern abwarten. Isaf-Oberkommandeur Stanley McChrystal hatte vor kurzem 40 000 zusätzliche Soldaten gefordert.
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HB BRATISLAVA. Die Verteidigungsminister der Nato einigten sich am Freitag in Bratislava nicht auf eine Verstärkung der derzeit 71 500 Soldaten zählenden Afghanistan-Schutztruppe Isaf. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung teilte in Bratislava mit, Berlin wolle im Dezember in einem neuen Afghanistan-Mandat des Bundestages an der bisherigen Obergrenze von maximal 4500 deutschen Soldaten festhalten.

"Wir haben nicht über konkrete Zahlen gesprochen", sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in der slowakischen Hauptstadt. Es habe aber "breite Übereinstimmung" über die wesentlichen Punkte eines Berichtes des Isaf-Oberkommandeurs, US-General Stanley McChrystal, gegeben. Über dessen Forderung nach 40 000 zusätzlichen Soldaten sei allerdings nicht gesprochen worden. "Es gab große Unterstützung aller Minister für den Bericht, ohne über die Auswirkungen auf die Ressourcen zu sprechen", formulierte Rasmussen.

Jung hatte gesagt, Deutschland wolle die internationale Afghanistan-Konferenz abwarten, die von Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeschlagen wurde. Sie wird vermutlich erst Anfang kommenden Jahres stattfinden. Andere Minister sagten nach Angaben von Nato-Diplomaten, sie wollten mit Entscheidungen warten, bis die künftige Regierung Afghanistans feststehe und bis auch US-Präsident Barack Obama entschieden habe, ob er zusätzliche Soldaten entsenden werde. Die USA stellen derzeit 35 000 Soldaten in der ISAF und haben weitere 30 000 unter eigenem Kommando in Afghanistan stationiert.

US-Verteidigungsminister Robert Gates sagte, "eine Reihe von Verbündeten" denke über "größere militärische oder zivile Leistungen oder beides" für Afghanistan nach: "Ich finde das sehr ermutigend." Nicht nur die USA, sondern auch die europäischen Verbündeten hätten in den vergangenen 15 Monaten die Truppenzahl verdoppelt. Er habe keine Ungeduld der Verbündeten wegen der von Obama erwarteten Entscheidung bemerkt. Gates teilte mit, innerhalb von "zwei bis drei Wochen" werde er Obama "konkrete Optionen" vorlegen: "Die Zeit der Analyse nähert sich ihrem Ende."

McChrystal hatte in seinem Bericht gefordert, die Isaf müsse nicht nur Terroristen bekämpfen, sondern auch andere Aufständische in Afghanistan. Wichtig sei, die Unterstützung der Bevölkerung wieder zu gewinnen. Zudem müsse die afghanische Regierung von den Bürgern akzeptiert und die zivile Entwicklung des Landes stärker als bisher gefördert werden. "Es löst kein Problem, nur einzelne Terroristen zu jagen und zu töten", sagte auch Rasmussen. "Was wir brauchen, ist eine viel breiter angelegte Strategie, die die gesamte afghanische Gesellschaft stabilisiert." Zu der Präsidenten-Stichwahl vom 7. November sagte er: "Wer immer gewinnt, muss aktive und sichtbare Schritte tun, um die Korruption zu beseitigen, Effizienz zu verbessern und Dienste für die eigene Bevölkerung zu leisten."

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