Vertrauensabstimmung in Italien: Regierung von Teufels Gnaden

Vertrauensabstimmung in Italien
Regierung von Teufels Gnaden

Erst ist er dagegen, dann dafür, am Ende enthält er sich: Giulio Andreotti ist einer der Politiker, denen Romano Prodi seine zweite Chance verdankt.

MAILAND. Ein alter, gebückter Mann verlässt den pompösen Saal des Palazzo Madama, dessen purpurrote Stühle mit den goldfarbenen Beschlägen noch an andere Zeiten erinnern. Er ist einfach aufgestanden, den Kopf eng zwischen die Schultern geklemmt, sucht er langsam den Weg zum Ausgang.

Es ist Mittwochabend, kurz vor der entscheidenden Vertrauensabstimmung im Senat, Italiens zweiter Parlamentskammer. Nur wenige Minuten vor der Entscheidung, die den Fortbestand der Mitte-links-Regierung unter Romano Prodi sichern wird, erhebt sich Giulio Andreotti und geht aus dem Saal hinaus. Er will sich der Stimme enthalten. Und doch trägt der 88-Jährige auf diese Weise zum Sieg des italienischen Premiers bei.

Ausschlaggebend ist jetzt, wofür die Mehrheit der Anwesenden stimmt. 162 entscheiden für, 157 gegen Prodi. Andreottis Abgang ist da fast genauso viel Wert wie eine Stimme für den Regierungschef. Vor allem Andreotti und dem bislang eher unbekannten Marco Follini hat Prodi schließlich seine zweite Chance zu verdanken.

Dem politischen Gau folgen hektische Krisensitzungen

Eine Woche ist es her, dass der Premier nach der Abstimmungsniederlage zur Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes im Senat seinen Rücktritt einreichte. Zwei kommunistische Senatoren aus den eigenen Reihen und zwei sicher geglaubte Senatoren auf Lebenszeit – Giulio Andreotti und Sergio Pininfarina – hatten dem Ministerpräsidenten am Mittwoch vergangener Woche überraschend ihre Stimme verweigert und damit angesichts der hauchdünnen Mehrheit von Prodis Bündnis das Ende der Regierung eingeleitet.

Dem politischen Gau folgen hektische Krisensitzungen im Quirinalspalast auf dem höchsten Hügel Roms. Im Stundentakt geben sich die wichtigsten Vertreter der politischen Gruppierungen beim Staatspräsidenten Giorgio Napolitano die Klinke in die Hand. Parallel dazu verhandelt Prodi auch mit den Senatoren außerhalb der eigenen Koalition.

In der Not scheut der parteilose Katholik nicht davor zurück, bei den Vertretern der Bündnispartner des Erzfeindes Silvio Berlusconi um Stimmen zu betteln. Das Ergebnis des Kuhhandels: Prodi legt sich auf ein neues altes Zwölf-Punkte-Programm fest. Im Gegenzug sagt Marco Follini als Außenseiter zu, für Prodi zu stimmen. Und auch Giulio Andreotti, der ihm zunächst den Rückhalt versagte und sich rebellisch gab, ändert seine Meinung über den Wirtschaftsprofessor aus Bologna und will ihn plötzlich doch stützen.

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