Vertrauensfrage bejaht
Zustimmung und Wut nach Papandreous Sieg

Euro- und Gold-Kurse hüpfen, als die griechische Regierung die Vertrauensfrage gewinnt. Aber die Proteste auf den Straßen gehen auch in der Nacht weiter. Ihr Verlauf bringt jedoch auch einen Hoffnungsschimmer.
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AthenDas Parlament in Athen hat der Regierung unter Ministerpräsident Giorgos Papandreou das Vertrauen ausgesprochen. Für die Regierung votierten in der Nacht zum Mittwoch alle 155 Abgeordnete der regierenden Sozialisten. 143 Parlamentarier stimmten dagegen. Zwei unabhängige Abgeordnete waren abwesend. Dies teilte Parlamentspräsident Filippos Petsalnikos mit.

Damit hat die Regierung des Sozialisten Papandreou die erste Hürde genommen, um das Land vor dem drohenden Bankrott zu bewahren. Kommende Woche steht eine neue Kraftprobe für Papandreou bevor. Dann muss das rigorose Spar- und Privatisiererungsprogramm vom Parlament gebilligt werden. Ein genauer Termin für die Abstimmung kommender Woche steht noch nicht fest.

Mehr als 20.000 Menschen protestieren

Nach der Rückendeckung des Parlaments für einen härteren Sparkurs sind die Proteste in Athen weitgehend friedlich geblieben. Bis auf einige Jugendliche verließen die mehr als 20.000 Demonstranten den Platz vor dem Abgeordnetenhaus, ohne dass es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei kam.

Einsatzkräfte benutzten am frühen Mittwochmorgen Tränengas, um eine kleine Gruppe Jugendlicher zu vertreiben, die ausharrten. Berichte über Verletzte oder Festnahmen lagen zunächst nicht vor. Der Verlauf der Proteste gilt als Gradmesser für die Chancen der Regierung, das Sparprogramm in den kommenden Wochen durchs Parlament zu bringen.

Positive Reaktionen in der EU

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso reagierte mit Erleichterung auf den Ausgang der Vertrauensfrage: „Das griechische Parlament hat ein Element der Unsicherheit in einer ohnehin schwierigen Situation beseitigt“, lobte er. Papandreou könne sich nun voll auf die geplanten Reformen konzentrieren.

An den Märkten fielen die ersten Reaktionen zunächst positiv aus, da mit der Entscheidung ein Zahlungsausfall des Euro-Staates fürs erste vermieden wird. Der Euro machte einen Freudensprung auf 1,4421 Dollar, fiel aber schnell wieder auf seinen Stand vor der Abstimmung bei 1,4400 Dollar zurück. Der Goldpreis legte um 80 Cent auf 1547,30 Dollar je Unze zu und konnte damit gleichfalls seine Tagesgewinne sichern.

Großer Optimismus machte sich unter Marktteilnehmern dennoch nicht breit. Der Chef des weltgrößten Staatsanleihenhändler Pimco, Mohamed El-Erian, sagte, er erwarte im Zuge der Schuldenkrise Zahlungsausfälle in Griechenland sowie in weiteren europäischen Ländern. „In den nächsten drei Jahren werden wir sehen, wie verschiedene Volkswirtschaften verschiedene Probleme angehen“, so El-Erian. Europäische Volkswirtschaften, besonders Griechenland, würden dabei nicht um Zahlungsausfälle herumkommen. Dabei sei es zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich, dass ein griechischer Zahlungsausfall eine weitere globale Finanzkrise auslöse.

Der Investmentchef von Allianz Global Investors Capital (AGIC), Horacio Valeiras, fürchtet, dass auch Irland und Portugal auf eine Umschuldung angewiesen seien.

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Eklat vor der Abstimmung

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  • In der Schweiz sollen um die 280 Millarden Euro an Steuergeldern aus Griechenland lagern:

    "€280bn of Greek capital has flown to Switzerland"


    Anstatt ein Hilfsprogramm in Millardenhöhe aus unseren Steuergeldern dennen zu schicken sollte man eher die Schweiz auffordern diese Geldern zurückzuüberweisen damit wäre die griechische Tragödie um vielfaches niedriger als aktuell.

  • "Griechenland ist lediglich ein willkommener Nebenschauplatz zur Ablenkung der tatsächlichen Probleme."

    genau so isses.

    an die eigentliche Ursache der Problematik, der Ungleichverteilung und der daraus resultierende Zwang zur Umverteilung über Kredit - mit der logischen Folge Überschuldung - traut sich niemand ran.

    Denn an der "Eigentumsgesellschaft" soll nicht gerüttelt werden,
    und nach dem Knall soll es dementsprechend wieder weitergehen wie gehabt:
    die dann entschuldeten "Griechen dieser Welt" bekommen wieder ordentlich Kredit - und die Exportkolonie liefert. Dieses mal nicht nur die Produkte, sondern gleich die ganzen Fabriken - mitsamt den Hochqualifizierten. Dies ist dann der neue Marshallplan. Irgendwie müssen die anderen ja aufholen -sonst kommen wir ja nie zum gewünschten Einheitsbrei.

    "unsere Führung" hat -wie leicht zu erkennen ist- keine "Vision Deutschland". Stattdessen haben die eine "Vision Europa".
    und deßhalb stehen wir hier in Deutschland seit bald 20 Jahren voll auf der Bremse, und pushen all jene europäischen Länder mit Nachholbedarf.

    das deutsche Volk hat von derlei Macht-Spinnerei etwa so viel,
    wie seinerzeit von des Kaiser's Schiffen.

  • „Mit ein wenig ökonomischen Sachverstand ist doch diese ganze Krise schnell zu lösen“.

    Mein Lieber, Sie scheinen immer noch nicht verstanden zu haben, um was es da eigentlich geht. Es geht nicht darum, das Problem mit Sachverstand zu lösen, es geht lediglich darum, wie man noch mehr Sklaven produzieren kann, die einer kleinen und kriminellen Elite den Wohlstand finanziert.
    http://www.siggi40.magix.net/website#Geld%203

    Die kriminelle Energie der herrschenden Kreise – sie ist ungetrübt und unverschämt
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=4493

    Kapitulation vor dem Monopoly-Monster
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,668324,00.html

    Unser Weg in die Schuldenknechtschaft
    http://www.wiwo.de/finanzen/punkt-3-banken-verursachen-schaeden-fuer-die-wir-alle-bezahlen-423738/

    Banken verursachen Schäden, für die wir alle bezahlen
    http://www.wiwo.de/finanzen/die-maerkte-boomen-die-krise-bleibt-445848/

    Die Märkte boomen – die Krise bleibt
    http://www.wiwo.de/finanzen/staaten-auf-der-kippe-424738/

    Der globale Kreditrausch
    http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~E41A846A759AA42E9BCEA5F0BF3611DE9~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

    "Es ist wieder an der Zeit, dass die Bürger die Guillotine flott machen", kommentiere ein Forist. Er hat verstanden. Auf was warten wir eigenlich?

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