Vertrauliche Papiere verschickt
Finanzaufsicht ermittelt wegen Fed-Panne

Ein Mitarbeiter der US-Notenbank Fed verschickte offenbar versehentlich vertrauliche Protokolle. In der Empfängerliste waren unter anderem die größten US-Banken und Lobbyisten. Die Finanzaufsichtsbehörden sind alarmiert.
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WashingtonRund 150 Mitarbeiter von Lobbyisten, Abgeordneten und einiger US-Banken erhielten am Dienstagnachmittag eine brisante E-Mail. Absender: die Notenbank Federal Reserve (Fed). Im Anhang: die höchst vertraulichen Protokolle der letzten Zentralbank-Sitzung. Ein Angestellter der Fed hatte offenbar versehentlich vorzeitig auf den Senden-Knopf gedrückt.

Eine schier unglaubliche Panne – eigentlich sollte das Dokument, auf das die Finanzmärkte weltweit gewartet hatten, erst am Folgetag am Nachmittag Ortszeit veröffentlicht werden. Doch es wurde noch peinlicher für die Fed: Erst Stunden später, am frühen Mittwochmorgen, bemerkten die Notenbanker den Fehler – und zogen eilig die Veröffentlichung vor. Zwar ist nach derzeitigem Stand nicht bekannt, ob einer der Empfänger Kapital aus der Panne geschlagen hat. Die Aufregung ist dennoch groß: Die Fed bat nach eigenen Angaben am Mittwoch die Finanzaufsichtsbehörden SEC und CFTC, in der Sache zu ermitteln.

„Alles deutet darauf hin, dass es komplett unabsichtlich passierte“, sagte ein Fed-Sprecher. Doch das dürfte der Notenbank nicht helfen: Sie steht ohnehin schon zunehmend in der Kritik von Abgeordneten, die eine stärkere Kontrolle fordern.

Die Protokolle, „Minutes“ genannt, werden regelmäßig drei Wochen nach der letzten Sitzung des Offenmarktauschusses veröffentlicht. Sie enthalten eine Zusammenfassung der Debatten des wichtigsten Fed-Gremiums und geben Hinweise, in welche Richtung die Politik der Notenbank geht. Es sind Informationen, die die Märkte bewegen können und Millionen wert sind, wenn man sie frühzeitig kennt und geschickt nutzt.


Mit besonderer Spannung verfolgen Investoren derzeit, ob und wann sich die Fed von den Anleihekäufen in Höhe von 85 Milliarden monatlich verabschiedet, mit denen sie die schwächelnde US-Wirtschaft stützt. Die jüngsten Protokolle aus der Sitzung Mitte März gaben keine klaren Hinweise. Sie deuten lediglich an, dass das Steuerungsgremium zunehmend uneins ist über die künftige Strategie.

Dieses vergleichsweise unspektakuläre Ergebnis ist wohl auch der Grund dafür, dass die Märkte am Mittwoch kaum reagierten. „Ich habe noch nicht einmal ein Quietschen gehört“, sagte der Chefvolkswirt von JP Morgan, Michael Feroli, dem „Wall Street Journal“.

Es hätte auch anders kommen können, schließlich versorgte der unglückliche Fed-Mitarbeiter etliche Banken mit den sensiblen Informationen. Nach Angaben der Notenbank waren in dem E-Mail-Verteiler unter anderem Vertreter von Goldman Sachs, Barclays, Wells Fargo, Citigroup und die UBS. Auch Hedgefonds und Private-Equity-Firmen waren vertreten, etwa die Carlyle Group und King Street Capital.

Absender der E-Mail ist laut US-Medienberichten Brian Gross, der bei der Fed für Kontakte zu Abgeordneten zuständig ist. „Wie immer lassen Sie uns bitte wissen, wenn Sie weitere Unterstützung brauchen“, stand laut „Wall Street Journal“ in seiner Mail. Hinweise, Gross könnte absichtlich gehandelt haben, gibt es nicht. Gross wollte sich am Mittwoch nicht äußern.

Sein E-Mail-Verteiler zeigt aber auch die umstrittene Verzahnung zwischen Fed, Politik und der Finanzindustrie. Besonders seit der Finanzkrise gibt es heftige Kritik am Drehtür-Mechanismus zwischen Wall Street und Washington, und die Fed-Panne dürfte sie auf Neue anheizen.

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik

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  • Es ist zu kurios, dass man diese Klamauk-Bude noch ernst nehmen muss?!

  • Ha, Ha, Ha, Ha, Haaa, Haaaa, Huu, Ha, ha, ha, ha. Schluchz, ist das gut, haa, haa, haa. Ich schmeiß mich weg! Lol, lol, lol, lol, lol. Alles Amatuere da drüben überm Teich... You made my day!!!

  • Alles menschen und solche daten machen über nacht menschen um einiges wolhabender!
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