Vertraulicher Türkei-Bericht
Türkische Medien sind empört

„Verleumdung“, „Lug und Trug“ – türkische Medien sind erzürnt, dass die Bundesregierung das Land als „zentrale Aktionsplattform“ für Islamisten in Nahost einstuft. Auch Ankara hat jetzt reagiert.

IstanbulRegierungsnahe türkische Medien haben die Einstufung des Landes als „zentrale Aktionsplattform“ für Islamisten im Nahen Osten durch die Bundesregierung scharf kritisiert. Die Tageszeitung „Yeni Safak“ schrieb am Mittwoch von einer „niederträchtigen Verdrehung der Tatsachen“. Sie zielt dabei vor allem auf die ARD, die als erste über die vertrauliche Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Linken berichtet hatte. Der deutsche Sender habe die Antwort der Regierung „verfälscht“ und damit Reaktionen mit Beschuldigungen der Türkei ausgelöst.

Die Zeitung „Hürriyet“ hob in einem Einspalter unter der Überschrift „Schock-Behauptung aus Deutschland“ hervor, dass in dem Bericht der Name von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan erstmals offiziell im Zusammenhang mit einer Terrororganisation genannt werde.

Von „Verleumdung“ und „Lug und Trug“ war in der Tageszeitung „Sabah“ die Rede. Während Deutschland Mitgliedern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK erlaube, sich frei auf den Straßen zu bewegen und Geld für die Organisation einzusammeln, beschuldige es die seit Jahren gegen den Terror kämpfende Türkei, radikale islamische Terrororganisationen zu unterstützen.

Am Mittwochmittag reagierte auch die türkische Regierung: Sie wies den deutschen Vorwurf einer engen Verstrickung mit radikalen Islamisten scharf zurück. Die Einschätzung der Bundesregierung in der Antwort auf eine Parlamentarische Anfrage zeuge erneut von einer „verdrehten Mentalität“, die auf Präsident Recep Tayyip Erdogan ziele. „Die Vorwürfe sind eine neue Manifestation der verdrehten Mentalität, mit der seit einiger Zeit versucht wird, unser Land zu zermürben, indem sie auf unseren Präsidenten und unsere Regierung zielt“, heißt es wörtlich in der Erklärung des Außenministeriums in Ankara. Darin wird zugleich „eine Klärung vor bundesdeutschen Gerichten“ in Aussicht gestellt.

In der Stellungnahme der Bundesregierung, die auf Einschätzungen des Bundesnachrichtendienstes basiert, heißt es unter anderem, die Türkei habe sich seit 2011 schrittweise „zur zentralen Aktionsplattform für islamistische Gruppierungen der Region des Nahen und Mittleren Ostens“ entwickelt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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