Vertriebenen-Debatte
Lammert ruft Polen zur Räson

Nach Kaczynskis Verbalattacke auf Bundespräsident Köhler mischt sich nun Bundestagspräsident Norbert Lammert in die Vertriebenen-Debatte ein. In einem Brief an seinen polnischen Kollegen, Parlamentspräsident Jurek, ruft er die erhitzten Gemüter in Warschau zur Räson. Auch viele Polen reagieren inzwischen mit Kopfschütteln auf die wiederholte Deutschland-Kritik ihres Regierungschefs.

HB BERLIN. Norbert Lammert (CDU) formulierte in dem Brief: "Menschen, die persönlich schuldlos Opfer politischer Entwicklungen, staatlich veranlasster Verirrungen und Verbrechen geworden sind, haben einen Anspruch darauf, in ihrem Schmerz, mit ihrem Schicksal nicht alleingelassen zu werden." Dies gelte "für Polen wie für Deutsche", schrieb Lammert laut "Bild-Zeitung".

In einem weiteren Beitrag für die polnische Zeitung "Fakt" mahnte Lammert im Streit um die Rolle der Vertriebenen auch von Polen mehr „Offenheit gegenüber der Geschichte“ an. Die historische Verantwortung Deutschlands für Ausbruch und Folgen des Zweiten Weltkriegs sei unbestritten. Zum ehrlichen Umgang von Völkern gehöre auch „die Öffnung für die Sichtweise des Gegenübers, der Verzicht auf Aufrechnen, das Zuhören auch unbequemer Standpunkte und das ehrliche Bemühen um Verständigung“.

Am Wochenende hatte Bundespräsident Horst Köhler mit seinem Auftreten beim „Tag der Heimat“ des Bundes der Vertriebenen Irritationen in Warschau ausgelöst. Obwohl Köhler für einen verstärkten Dialog mit Polen warb, sagte der nationalkonservative Regierungschef Jaroslaw Kaczynski über den Auftritt: „Das ist eines der beunruhigenden Ereignisse, die in jüngster Zeit in Deutschland stattfinden.“

Aktivitäten des Bundes der Vertriebenen sorgen seit Jahren für Spannungen vor allem mit dem Nachbarland Polen. Heftige Kritik löste die Verbandspräsidentin, die CDU-Politikerin Erika Steinbach, mit ihre Forderung nach einem „Zentrum gegen Vertreibung“ in Berlin aus. Aufgrund der versönlichen Worte, die Köhler auf dem Festakt gegenüber Polen anschlug, kam die scharfe Kritik Kaczynskis an dem deutschen Bundespräsidenten jedoch für viele überraschend.

Köhler hatte in seiner Rede die Vertriebenen dazu aufgefordert, die Ängste in Polen und Tschechien ernst zu nehmen. "Wir müssen geduldig vermitteln, dass es in Deutschland keine ernst zu nehmende politische Kraft gibt, die die Geschichte umschreiben will."

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