Verunsicherte Investoren streichen in Russland ihre Zukunftsprogramme zusammen
Moskauer Muskelspiel - Investoren kürzen Investitionen

Die Verkündung des Strafmaßes für Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowskij steht noch aus. Die Auswirkungen der absehbaren Verurteilung sind jedoch längst spürbar: Das Wirtschaftsklima in Russland hat sich verschlechtert.

MOSKAU/DÜSSELDORF. In- und ausländische Konzerne in Russland haben auf die Yukos-Affäre faktisch mit einem Investitionsstreik reagiert. Das berichten Moskauer Ökonomen mit Blick auf das russische Wirtschaftswachstum, das sich von 7,1 Prozent im Jahr 2004 auf 4,9 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres abgeschwächt hat. Noch deutlicher sank die Industrieproduktion. Die Wirtschaftswissenschaftler machen dafür in erster Linie die deutlich gesunkenen Investitionen verantwortlich. Gleichzeitig hat sich die Kapitalflucht 2004 auf 9,4 Mrd. Dollar mehr als vervierfacht.

Inzwischen verhehlt nicht einmal mehr Präsident Putins Wirtschaftsberater Igor Schuwalow, dass „wir uns keinen zweiten Fall Yukos mehr leisten können. Der Preis dafür war sehr hoch“. Damit umschreibt Schuwalow die ökonomischen Auswirkungen der staatlichen Angriffe auf den einst führenden russischen Ölkonzern. Das Verfahren selbst sei ein Schauprozess, um allen Unternehmen in dem Land die Notwendigkeit korrekter Steuerzahlungen zu lehren, so Schuwalow.

Viele ausländische Investoren sind verunsichert: So verlor Russland jetzt mit der amerikanischen Carlyle-Group eine der weltweit führenden, auf Private-Equity-Beteiligungen spezialisierte Investorengruppe: Carlyle gab vorige Woche bekannt, vorerst keine weiteren Russland-Investitionen zu planen, da „das Verhältnis von Risiken und zu erwartenden Erträgen nicht mehr zufrieden stellend“ sei. Auch andere Investoren haben konkret geplante Engagements zunächst auf Eis gelegt. Die deutsche Wirtschaft, traditionell stark in Russland, hatte sich von Beginn an sehr zurückhaltend zum Fall Yukos geäußert. Allerdings machte jüngst auch Klaus Mangold, Vorsitzender des Ost-Ausschusses, keinen Hehl aus seinen Erwartungen. „Ich gehe davon aus, dass sich das nicht wiederholen wird“, kommentierte er die faktische Verstaatlichung von Yukos in einem Gespräch mit dem Handelsblatt.

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