Veruntreuungsskandal
Lega-Nord-Chef Bossi tritt zurück

Umberto Bossi, Chef der italienischen Partei Lega Nord, ist von seinem Amt zurückgetreten. Gegen drei Funktionäre der Partei wird wegen Betrugs und illegaler Parteifinanzierung ermittelt. Auch Bossi steht unter Verdacht.
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Mailand/RomDer langjährige Chef der rechtspopulistischen italienischen Lega Nord, Umberto Bossi, ist im Zuge eines Korruptionsskandals zurückgetreten. Dies berichteten italienische TV-Sender am Donnerstag übereinstimmend. Bossis Regionalpartei war in den vergangenen Tagen zunehmend in den Strudel eines Skandals um Korruption und Veruntreuungen geraten. In dieser Woche leitete die Staatsanwaltschaft gegen drei Funktionäre der Lega Nord Ermittlungsverfahren wegen Betruges und illegaler Parteienfinanzierung ein. Gegen den 70-jährigen Bossi, einem alten Weggefährten des mehrfachen Regierungschefs Silvio Berlusconi, war aber bisher nicht ermittelt worden.

Medien berichteten jedoch, dem bisherigen Schatzmeister Francesco Belsito werde vorgeworfen, 200.000 Euro aus der Kasse der Partei an Bossis Söhne weitergeleitet zu haben. Auch Bossis Frau sei in die Sache verwickelt. Danach geriet auch Bossi immer mehr unter Verdacht.

Der Veruntreuungsskandal trifft eine Partei, die bisher mit ihrer norditalienischen „Sauberkeit“ geworben hatte. Bossi war bekannt für seine scharfen Worte gegen den „römischen Sumpf“ und Italiens Süden. Bossi selber wird vorgeworfen, mit Steuergeldern seine Villa renoviert und Urlaube für seine Kinder bezahlt zu haben. Gegen ihn wird aber nicht ermittelt. Der Politiker hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Ein Trio soll die Partei übergangsweise bis zu einem Parteitag führen, teilte die Lega Nord mit. Darunter ist auch der ehemalige Innenminister Roberto Maroni, der zum neuen starken Mann in der Lega werden könnte. Bossi habe seinen Rücktritt als „unwiderruflich“ bezeichnet, heißt es. Er solle die Ehrenposition eines Präsidenten der Partei einnehmen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Der Mitbegründer der Autonomiebewegung Lega Lombardo hatte 2004 einen Hirnschlag und einen Herzinfarkt erlitten, war aber später doch wieder Reformminister in dem Kabinett unter Berlusconi geworden. Die Lega Nord sitzt nach dem Ende der Regierung von Silvio Berlusconi in der Opposition und ist gegen das Sparprogramm des neuen Ministerpräsidenten Mario Monti.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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