Verwaltungskrise
Griechenland will Steuerfahndung outsourcen

Um die riesigen Finanzlöcher zu stopfen, will die griechische Regierung ihre Steuersünder demnächst von privaten Firmen jagen lassen. Steuerschulden von rund 36 Milliarden Euro könnten so eingetrieben werden.
  • 1

BerlinDie griechische Regierung erwägt einem Zeitungsbericht zufolge den Einsatz privater Steuerfahnder. „Es gibt in Griechenland 14.000 Menschen, die dem Staat zusammen rund 36 Milliarden Euro an Steuern schulden“, sagte Ministerpräsident Giorgos Papandreou. „Auf diese Gruppe will sich der Finanzminister jetzt konzentrieren. Wir werden die Aufgabe wahrscheinlich an Privatfirmen outsourcen.“ Die Regierung habe den Eindruck, dass der Verwaltungsapparat das nicht könne und sich bei dieser Aufgabe nicht sehr wirkungsvoll gezeigt habe.

„Griechenland hat keinen Verwaltungsapparat wie ein nordisches Land, der gut organisiert ist und dem einfach Anordnungen erteilt werden, die dann verlässlich umgesetzt werden“, wurde Papandreou zitiert. Der öffentliche Apparat sei bürokratisch und undurchsichtig. „Es sind also Verwaltungsreformen nötig, die sehr tief reichen, bei denen man Mentalitäten von Grund auf ändern muss.“

Papandreou beklagte auch Probleme mit der Justiz. „Das Justizsystem funktioniert so: Wer Steuern schuldet und vor Gericht gestellt wird, bekommt oft eine Übergangszeit von drei Jahren, während derer man nichts bezahlt. Danach bekommt man oft eine kleine Strafe oder man bekommt noch mehr Zeit.“ Zudem stelle auch die Steuerflucht ein Problem dar. „Es gibt Steuerflucht in die Schweiz“, sagte Papandreou. „Wir sind deshalb in Gesprächen mit der Schweiz, ähnlich wie es auch Deutschland macht.“

Griechenland kämpft gegen eine hohe Verschuldung und eine tiefe Rezession. Auch nach Ansicht von Experten ist ein Problem, dass Steuern nicht konsequent eingetrieben werden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Verwaltungskrise: Griechenland will Steuerfahndung outsourcen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • hab ich richtig gerechnet? 14.000 leute sind für 36 mrd. steuerschulden zuständig? wow. das macht pro person 2.57 mio. euro. Wer wird wohl solche steuerschulden angehäuft haben? der einfache bürger wird in seinem leben nicht mal diese zahl an steuerschulden allein als Vermögen anhäufen. das kann ja nur die elite sein, die mrd. an umsätzen generiert. pfui teufel. bin mal gespannt, wer diese privaten geldeintreiber sind. hab da einen tipp: die hellr angels bzw. bandits haben noch ressourcen frei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%