Verzweifelte Suche nach Booten: Sri Lankas Fischer stehen nach der Flut vor dem Nichts

Verzweifelte Suche nach Booten
Sri Lankas Fischer stehen nach der Flut vor dem Nichts

Dem stechenden Verwesungsgeruch trotzend suchen Sri Lankas Fischer nach der Flutkatastrophe verzweifelt nach den Booten, von denen ihre gesamte Existenz abhängt.

HB GALLE. Das Meer hat sie und ihre Familien jahrelang ernährt, dann hat es ihnen alles genommen. Am Sonntag stehen die Männer Schulter an Schulter im Wasser. Endlich hat einer sein Boot im Wasser entdeckt. Gemeinsam ziehen sie am einem Seil, um den Schiffsrumpf dem Meer zu entreißen. Die Sarongs kleben an ihren verschwitzten Körpern, die Anstrengung steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Als das Boot an der Wasseroberfläche auftaucht, beginnen Hunderte Dorfbewohner am Ufer zu jubeln. Verfrüht, wie sie später herausstellt. Denn die Mühe war umsonst: Das Boot ist so stark beschädigt, dass jede Reparatur zwecklos erscheint. Wenn kein Fisch mehr angelandet wird, stehen auch andere Existenzen in den Dorf auf dem Spiel.

„Ich habe den Lebensunterhalt für meine Familie damit verdient, dass ich mit den Fahrrad durchs Dorf gefahren bin und Fisch verkauft habe“, sagt K. Piyesda. Die meterhohen Flutwellen haben die Basis seiner bescheidenen Existenz auf Nimmerwiedersehen ins Meer gespült. „Ich habe kein Fahrrad mehr. Ich habe mein Geld verloren. Ich wünschte, ich wäre tot“, klagt Piyesda, der gemeinsam mit seiner Frau, seiner Tochter und drei Enkeln in einem Kloster Unterschlupf gefunden hat.

Viele der Überlebenden stehen vor dem Nichts. Ganze Dorfer hängen von der Fischerei als Haupteinnahmequelle ab. Von vielen Häusern in den Küstenorten blieben nur die Grundmauern stehen. Die Straßen sind von verbogenem Metall, durchweichtem Pappkarton und zerstörtem Mobiliar bedeckt. Ein Helfer zieht eine schlammverschmierte Jeans zwischen den Trümmern hervor. Knapp 30 000 Inselbewohner hat die Flutwelle in den Tod gerissen. Tausende werden noch immer vermisst. Tag für Tag werden im Wasser aufgedunsene Leichen angeschwemmt. Wie viele Opfer es letztlich zu beklagen gibt, bleibt vorerst ungewiss. Niemand vermag zu sagen, wie viele Leichen noch in entgleisten Bahnwaggons und Häuserruinen verschüttet liegen. Viele Tote wird das Meer nie wieder hergeben.

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