Vetomächte üben harsche Kritik
Iran will Uran-Kapazitäten sogar verdoppeln

Die iranischen Erfolgsmeldungen über Fortschritte bei der Atomtechnik haben international scharfe Kritik ausgelöst. Alle fünf Vetomächte des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen (UN) und auch Deutschland verurteilten die jüngsten Mitteilungen aus dem Iran, denen zufolge das Land erstmals Uran angereichert haben soll.

HB TEHERAN. Wie die USA und die europäischen Vermittler Deutschland, Frankreich und Großbritannien warfen am Mittwoch auch Russland und China der Islamischen Republik vor, sich der internationalen Gemeinschaft offen zu widersetzen. Die USA kündigten Gespräche über Sanktionen an. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte am Vorabend erklärt, mit den ersten erfolgreichen Schritten bei der Urananreicherung gehöre sein Land nun zur Gruppe der Länder, die über Atomtechnologie verfügten. Der Iran steht im Verdacht, die Technik für Atomwaffen nutzen zu wollen.

Der enge Iran-Verbündete Russland schloss sich den westlichen Warnungen in fast wortgleichen Formulierungen an: Die Mitteilung des Irans sei „ein Schritt in die falsche Richtung“, erklärte das russische Außenministerium. „Dies widerspricht den Entscheidungen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und der Erklärung des UN-Sicherheitsrats.“ Auch bekräftigte das Land wie die USA die Forderung, dass der Iran alle Arbeiten an der Urananreicherung stoppen müsse, einschließlich der Forschung.

Der chinesische UN-Botschafter Wang Guangya sagte, Irans Schritte stünden nicht im Einklang mit den Forderungen der internationalen Gemeinschaft. Dennoch sollte der Sicherheitsrat keine härtere Gangart einlegen, fügte der Diplomat hinzu. Der Sicherheitsrat hatte bereits Ende März einen Stopp des Atomprogramms verlangt. Bis Ende April hat der Iran demnach Zeit, die UN von seiner Kooperationsbereitschaft zu überzeugen. IAEA-Chef Mohamed ElBaradei wird Teheran am Donnerstag zu Gesprächen darüber besuchen. Es bleibt offen, auf welches weitere Vorgehen sich der Sicherheitsrat zu verständigen vermag. US-Außenministerin Condoleezza Rice forderte „harte Maßnahmen“ des Rates gegen den Iran, damit die internationale Gemeinschaft ihre Glaubwürdigkeit bewahre.

Der Iran zeigte sich weiter unnachgiebig. Ein hochrangiger Regierungsvertreter wies in Teheran Forderungen nach einem Stopp der Anreicherung zurück und erklärte, das Atomprogramm sei wie ein Wasserfall, der - einmal in Gang gekommen - nicht mehr gestoppt werden könne. Ex-Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani kündigte an, die Kapazitäten zur Urananreicherung würden bald verdoppelt. Ziel bleibe eine Großproduktion des Brennstoffes. Israelische und US-Militärexperten wiesen jedoch darauf hin, dass der Iran trotz eines möglicherweise ersten Erfolgs bei der Urananreicherung noch weit von einer industriellen Anwendung der Technik entfernt sei. Zudem reiche der Anreicherungsgrad noch lange nicht für Atomwaffen aus.

Der Iran betont, dass er die Technik nur zur Stromgewinnung nutzen wolle. Der viertgrößte Ölexporteur hat sein Atomprogramm jedoch fast zwei Jahrzehnte vor der Welt verheimlicht. Ahmadinedschad behandelt es zudem als Prestigeobjekt der moslemischen Theokratie und bezeichnete es am Dienstag als Erfolg des nationalen Widerstandes gegen den Westen.

Russland ging in seiner Reaktion nicht auf die Frage von Sanktionen ein. Den Einsatz von Gewalt lehnte Außenminister Sergej Lawrow ausdrücklich ab. „Wenn solche Pläne existieren, dann werden sie dieses Problem nicht lösen können“, sagte er mehreren russischen Nachrichtenagenturen zufolge. US-Präsident George W. Bush hat erst vor wenigen Tagen Berichte zurückgewiesen, seine Regierung bereite ein Angriff vor.

UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte die Konfliktparteien zu weiteren Gesprächen auf und ermahnte die beteiligten Staaten, den Konflikt nicht eskalieren zu lassen. Alle müssten nun einen kühlen Kopf bewahren, fügte Annan hinzu.

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