Video von Gefangenenaustausch
„Homeland“-Moment in den afghanischen Bergen

„Komm nie wieder nach Afghanistan“, gaben die Taliban dem freigelassenen US-Soldaten Bowe Bergdahl mit auf den Weg. Nun kursiert ein Video vom umstrittenen Gefangenenaustausch im Web.
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KabulDie Taliban haben am Mittwoch ein Video von der Freilassung des vor fünf Jahren in Afghanistan entführten US-Soldaten Bowe Bergdahl veröffentlicht. Die 17-minütige Aufnahme zeigt die dramatischen Szenen während der Übergabe des Gefangenen an die US-Armee. „Komm nie wieder nach Afghanistan. Das nächste Mal wird dich niemand freilassen“, sagt einer der bewaffneten Kämpfer zu Bergdahl.

In dem Film ist zu sehen, wie ein US-Militärhubschrauber in einem afghanischen Dorf landet. Wenige Schritte entfernt wartet der nervös wirkende Bergdahl in Begleitung seiner Bewacher, die eine weiße Fahne schwenken. Nach einem Handschlag und einem kurzen Austausch zwischen den Aufständischen und den US-Soldaten bewegt sich Bergdahl zögernd auf den Hubschrauber zu, bevor er schließlich ausgeflogen wird.

Das Video, das an die US-Agentenserie „Homeland“ erinnert, ist mit religiöser Musik und „Allahu Akbar“-Rufen (Gott ist groß) unterlegt. Eine männliche Stimme kommentiert die Geschehnisse. Demnach fand der Austausch in der ostafghanischen Provinz Chost statt. Die Echtheit des Videos konnte zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden.

Der mittlerweile 28-jährige Bergdahl wird derzeit im US-Militärkrankenhaus Landstuhl bei Kaiserslautern behandelt. Sein Gesundheitszustand sei stabil, erklärten die Ärzte am Dienstagabend. Seine Genesung mache weiter Fortschritte. Wie lange Bergdahl in Deutschland behandelt werde, lasse sich noch nicht absehen.

Der US-Soldat war am Samstagabend auf freien Fuß gesetzt worden. Im Gegenzug ließ Washington fünf ranghohe afghanische Taliban-Mitglieder aus dem Gefangenenlager Guantanamo frei. Mehrere republikanische Kongressabgeordnete übten scharfe Kritik an der Abmachung mit den Taliban. Sie werfen dem Weißen Haus vor, mit „Terroristen“ verhandelt und einen gefährlichen Präzedenzfall geschaffen zu haben. Der Gefangenenaustausch ist auch deshalb umstritten, weil Bergdahl im Juni 2009 unter zweifelhaften Umständen von seinem Posten nahe der afghanisch-pakistanischen Grenze verschwand.

Einige seiner damaligen Kameraden werfen ihm US-Medien zufolge vor, desertiert zu sein. Bergdahl wollte demnach nach Indien flüchten. Vor seinem Verschwinden soll er sich kritisch über den Einsatz in Afghanistan geäußert haben. Mindestens sechs US-Soldaten kamen Medienberichten zufolge bei der Suche nach dem Vermissten ums Leben. US-Generalstabschef Martin Dempsey machte deutlich, dass Bergdahl für etwaige Verfehlungen disziplinarisch belangt werden könne. Der Generalstabschef betonte aber, dass auch für Bergdahl die Unschuldsvermutung gelte.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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