Videokonferenz
Obama liest Merkel und Sarkozy die Leviten

Die USA befürchten ein Übergreifen der europäischen Krise auf die US-Wirtschaft. Präsident Obama, Bundeskanzlerin Merkel und der französische Staatspräsident Sarkozy haben sich einer Videokonferenz kurzgeschaltet.
  • 29

Washington/Brüssel US-Präsident Barack Obama hat am Donnerstag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bei einer Videokonferenz über die europäische Schuldenkrise gesprochen. Merkel und Sarkozy hätten die Dringlichkeit der Probleme erkannt und arbeiteten an einer umfassenden Lösung, teilte das US-Präsidialamt mit.

Obama hoffe, dass bis zum G20-Treffen in Frankreich am 3. und 4. November eine Lösung gefunden werde. Der Termin sei ein Schlüsseldatum für die europäischen Staats- und Regierungschefs. Die USA befürchten ein Übergreifen der europäischen Krise auf die amerikanische Wirtschaft.

Ein Streit zwischen Deutschland und Frankreich verzögert den von den Märkten lang erhofften Befreiungsschlag in der Schuldenkrise. Umfassende Schritte zur Eindämmung der Probleme sollen nicht wie geplant auf dem EU-Gipfel am Sonntag fallen, sondern in der kommenden Woche.

Spätestens am Mittwoch sollen die Staats- und Regierungschefs der Eurozone das Paket bei einem weiteren Treffen beschließen, wie die Regierungen in Berlin und Paris am Donnerstagabend ankündigten.

Mit einem Treffen der Euro-Finanzminister beginnt heute in Brüssel der Sitzungsmarathon zur Eindämmung der Schuldenkrise. Die vordringlichste Aufgabe für Wolfgang Schäuble und seine 16 Kollegen ist die Einigung auf einen Hebel für den Rettungsfonds EFSF.

Zur Rettung Griechenlands und anderer Sorgenkinder muss die Ausleihsumme von 440 Milliarden Euro durch Finanzhebel erhöht werden, ohne dass die Länder mehr Geld geben. Auf dem EU-Gipfel am Sonntag soll dann das Paket geprüft und spätestens bei einem zweiten Treffen am Mittwoch beschlossen werden.

EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn hat in dem deutsch-französischen Streit über die Ausgestaltung des Euro-Rettungsschirms EFSF indirekt Deutschland den Rücken gestärkt. Die von Frankreich geforderte Finanzierung des EFSF über die EZB „könnte schwierig werden“, sagte Rehn dem „Handelsblatt“ . „Wir müssen aufpassen, was der EU-Vertrag erlaubt und was nicht“, sagte Rehn. Frankreich fordert, den EFSF über eine Notenbank-Finanzierung schlagkräftiger zu machen. Diese Idee lehnt die deutsche Regierung bislang strikt ab. In Brüssel war die Stimmung gestern auf einem Tief. Kommissionschef Barroso rief die Regierungschefs in Berlin und Paris zu Kompromissen auf.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Videokonferenz : Obama liest Merkel und Sarkozy die Leviten "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Welch Aufregung. Obama fürchtet steigende Zinsen, vergleicht mal die Strukturen griechischer und amerikanischer Miß-Wirtschaft. Abbau produktiver Arbeitsplätze, fehlende, geringe Exportquote, gigantische Kreditaufnahme. Wird "on the long run" nicht gut gehen.
    Und dann rumpelt es in allen Gebaelken. Und unsere Bürgschaftsmilliarden lösen sich in Schweizer-GR Bankkonten unerreichbar auf. Michel zieht die Zippelmütz und zieht( schleicht ) ausgeplündert von dannen. Murksel wird als Täter zur Fahndung ausgeschrieben. Die Restmafia baut das europäische Haus politisch neu auf.

  • Das sehe ich auch so. Die Lachnummer ist Obama, wenn er behauptet: "Merkel und Sarkozy hätten die Dringlichkeit der Probleme erkannt..." Dazu bedurfte es seines Anrufes, ganz klar.

    Aber die Amis befinden sich eben, wie Sie richtig sagen, mitten in den Vorwahlkämpfen und da muß er halt den Hengst rauslassen.

    Sarkozy aber sollte sich fragen, ob er Europa oder lediglich die französischen Banken retten will. Eines ist sicher, mit seinen Vorstellung - würden sie denn durchgesetzt, geht Beides den Bach runter. Aber für Realitäten hat der Dampfschwätzer wohl keinen Kopf mehr.

  • Was reden Sie denn da? Der deutsche Exportanteil nach Griechenland beträgt gerade einmal 0,6 Prozent. Das war's dann aber auch schon!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%