Viele Fragen an: Alvaro Uribe
„USA interessieren sich nur für Afghanistan und Irak“

Uribe äußerte sich vor dem Besuch von Bundespräsident Horst Köhler und US-Präsident George W. Bush in seinem Land. Er habe zwar Verständnis, dass die EU Verträge mit Wirtschaftsblöcken wie der Andengemeinschaft vorziehe, wenn entsprechende Verhandlungen aber wegen des Widerstandes einzelner Länder ins Stocken gerieten, sollten nicht gleichzeitig bilaterale Abkommen geopfert werden. Die USA, mahnte Uribe, dürften nicht zögern, die Freihandelsabkommen zu ratifizieren, die sie mit Kolumbien und Peru unterzeichnet haben.

Handelsblatt: Herr Präsident, die USA wollen eine Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten, der Antiamerikanismus in Lateinamerika ist sehr verbreitet. Jetzt wird US-Präsident George W. Bush erstmals seit langem wieder die Region bereisen, um die Beziehungen zu verbessern. Kann man dies als Zeichen eines erneuerten Interesses für die Region interpretieren?

Alvaro Uribe: Wenn es nur bei einer Reise bleibt, hat das keine Wirkung. Wenn die Reise aber Bestandteil eines kontinuierlichen und wachsenden Interesses für Lateinamerika ist, dann könnte das sehr gut sein.

Ihre Regierung ist eine der wenigen in Südamerika, die sehr enge Beziehungen zu den USA pflegen. Wie sehen Sie die Rolle der USA in Lateinamerika? Hat die Regierung Bush der Region in den letzten Jahren genug Aufmerksamkeit geschenkt?

Die USA unternehmen einige Anstrengungen, aber nicht genügend. Sie haben sich in der Weltbank und in der Interamerikanischen Entwicklungsbank für einen Schuldenerlass für die ärmsten Ländern eingesetzt, davon haben auch die lateinamerikanischen Länder Bolivien, Honduras und Haiti profitiert. Die USA haben auch in anderen Bereichen Hilfe geleistet, Kolumbien haben sie sehr geholfen. Aber bisher ist diese Hilfe auf dem Kontinent nicht spürbar.

In welchen Bereichen könnten die USA sich mehr für Lateinamerika einsetzen?

Es müsste mehr Hilfe über die multilateralen Banken geben, damit Lateinamerika die Armut überwinden kann. Es müsste Hilfe im Bereich Energie geben, damit diese Länder alternative Energien, Biokraftstoffe entwickeln können – vor allem in Zentralamerika, wo es kein Öl gibt. Weiterhin dürfen die USA nicht zögern, die Freihandelsabkommen zu ratifizieren, die sie mit Kolumbien und Peru bereits unterzeichnet haben. Und sie müssten weiter auf der Integration mit ganz Lateinamerika bestehen.

Warum hat die US-Regierung Lateinamerika lange vernachlässigt?

Die USA interessieren sich nur für Afghanistan und den Irak. Ich finde, die US-Regierung müsste für Lateinamerika das gleiche Interesse zeigen, das sie täglich für Afghanistan und Irak demonstriert. Ich schaue nur einmal am Tag die Nachrichten, um fünf oder halb sechs morgens, ich schaue mir die BBC und manchmal auch CNN an, und es macht mir Sorgen, dass die internationalen Nachrichten in den USA zu allererst den Irak, dann Afghanistan und an dritter Stelle Nordkorea behandeln. In den US-Nachrichten hat Lateinamerika keinen Stellenwert.

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