„Viele Ziele verfehlt“
Annan zieht im Kampf gegen Aids ernüchternde Bilanz

UN-Generalsekretär Kofi Annan hat zum Auftakt der Welt-Aids-Konferenz dazu aufgerufen, Risikogruppen nicht auszugrenzen und sie stattdessen bei der Prävention mit einzubeziehen. Die Weltgemeinschaft habe im Kampf gegen Aids wesentliche der vor fünf Jahren gesteckten Ziele verfehlt.

HB NEW YORK. Die Immunschwäche habe sich seit ihrer Entdeckung vor 25 Jahren „weiter, schneller und mit schlimmeren Langzeitauswirkungen verbreitet als irgendeine andere Krankheit“, sagte Annan in New York. Dem jüngsten Weltaidsbericht der Vereinten Nationen zufolge leben derzeit weltweit rund 38,6 Mill. Menschen mit dem Erreger HIV. An der dreitägigen Sondersitzung am UN-Hauptsitz nehmen Minister und Gesundheitsexperten aus fast 200 Ländern teil. Deutschland wird durch Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) vertreten.

Bei der ersten UN-Aidskonferenz vor fünf Jahren hatte sich die internationale Gemeinschaft unter anderem verpflichtet, die Rate der Neuinfektionen unter jungen Menschen in den am schlimmsten betroffenen Ländern bis 2005 um eine Viertel zu senken, bis 2010 sollte das weltweit geschehen. Das erste Ziel wurde nach den Zahlen des aktuellen Weltaidsberichts nicht erreicht, und es ist fraglich, ob die Neuinfektionsrate bis 2010 weltweit deutlich gesenkt werden kann. In ihrem Strategieplan von 2001 hatte sich die Weltgemeinschaft zudem vorgenommen, die Zahl der HIV-infizierten Babys bis 2005 um 20 Prozent und bis 2010 um 50 Prozent zu drücken.

Auch finanziell hinkt die internationale Gemeinschaft dem Bedarf hinterher. In 2005 standen weltweit zwar 8,3 Mrd. Dollar (rund 6,5 Mrd. Euro) zum Bekämpfen der Immunschwäche in Entwicklungs- und Schwellenländern bereit. Experten zufolge sind jedoch 14,9 Mrd. Dollar nötig. Der Weltaidsbericht sieht von 2008 an sogar einen Bedarf von jährlich 20 Mrd. Dollar, um das tückische Aidsvirus unter Kontrolle zu bekommen.

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) betonte, derzeit stehe fast 30 Mal so viel Geld für die Aidsbekämpfung bereit wie vor zehn Jahren. Allerdings seien noch weitaus mehr Anstrengungen nötig, damit die ärmsten Länder leichter an günstige Aidsmedikamente kommen, forderte die Ministerin in einer Erklärung aus Berlin. „Wir müssen alles dafür tun, dass wir nicht mit fehlgeleitetem Patentschutz den Zugang zu Aids-Generika verbauen. Menschenleben sind wichtiger als Patente.“

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