Vier Fragen an: David Denver
„Cameron braucht nur abzuwarten“

Gordon Browns Popularität ist passé. Unentschlossenheit, Wirtschaftskrise und ein Richtungsstreit innerhalb der Labour Party haben den Tories Tür und Tor geöffnet. Die Gründe für die Unzufriedenheit der Briten mit ihrem Premier. Ein Handelsblatt-Interview.

Handelsblatt: Warum sind die Briten so unzufrieden mit Premier Brown?

David Denver: Er war extrem populär, dann machte er Fehler, vor allem, weil er sich vor einer von allen erwarteten Unterhauswahl drückte. Seither gilt er als unentschlossen. Dann hat die Wirtschaftskrise ihn noch mehr beschädigt. Und er ist keine charismatische Figur, findet nicht das richtige Wort.

Hält er sich noch lange im Amt?

Ich glaube ja, jedenfalls bis zur nächsten Wahl. Sein großes Glück ist, dass es keine glaubwürdige Alternative in der Labour Party gibt. Wenn Labour jetzt eine Führungswahl macht, wird alles nur noch schlimmer.

In der Labourpartei fordern viele einen Richtungswechsel. Wohin?

Das ist das Problem. Niemand weiß, wo die Fahrt hingehen soll, es fehlen die Konzepte. Die Hinterbänkler wollen nur verzweifelt, dass die Partei wieder populärer wird. Aber die Partei zerfällt. Man kann also als fast sicher sein, dass Labour die nächste Wahl verliert. Was dann passiert kann niemand voraussehen. Labour ist wieder da, wo sie in den siebziger Jahren oder in den achtziger Jahren waren, als sie für unwählbar galten.

Die Tories stehen also vor dem offenen Tor?

Absolut. Die Wahl muss erst im Juni 2010 erfolgen. Cameron kann sich zurücklehnen und abwarten. Er müsste schon einen gewaltigen Fehler machen, jetzt noch zu verlieren.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent
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