Vier Fragen: Interview: „Die Alterung ist das größte Problem“

Vier Fragen
Interview: „Die Alterung ist das größte Problem“

Axel-Börsch-Supan ist der Leiter des Mannheimer Forschungsinstituts Ökonomie und demographischer Wandel. Im Handelsblatt-Interview spricht er über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Demographie, die Baby-Boomer und die Möglichkeiten, sich auf die alternde Gesellschaft vorzubereiten.

2005 ging die Einwohnerzahl in Deutschland leicht zurück. Bis 2050 soll sie auf das Niveau von 1963 – gut 75 Millionen – sinken. Wie wirkt sich das auf die Volkswirtschaft aus?
Dass die Bevölkerungszahl sinkt, ist nicht die entscheidende Botschaft. Viel dramatischer wird die Alterung der Gesellschaft Deutschland und andere große Volkswirtschaften wie auch Japan treffen. Sie ist das größte Problem. Deutschland könnten zwei Szenarien blühen: Im schlimmsten Fall sinkt das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in den Jahren 2010 bis 2030 im Schnitt um 1,1 Prozentpunkte jährlich; im besten Fall um 0,2 Punkte.

Dass die Bevölkerungszahl sinkt, macht also gar nichts?
Schrumpfen ist ein langsamer Prozess. Darauf können wir uns allmählich einstellen. Wenn wir aber auf einen Schlag doppelt so viele Rentner haben, ist das eine Revolution.

Wieso auf einen Schlag?
Wir können uns die Alterung wie einen Pilz vorstellen. Der Stamm ist dünn, der Kopf breit. Dieser „Pilzkopf“ ist die Babyboomer-Generation – und die wird zwischen 2015 und 2030 in Rente gehen. Dann wird der Kopf zu Empfängern von Sozialleistungen – und die Gesellschaft ist auf einen Schlag deutlich belastet.

Wie können wir uns auf die alternde Gesellschaft vorbereiten?
Wir müssen vieles gleichzeitig beachten. Um den Einfluss der Alterung auf das Wirtschaftswachstum möglichst gering zu halten, muss vor allem langfristig die Beschäftigungsquote der älteren Arbeitnehmer steigen. Das durchschnittliche Renteneintrittsalter muss auf etwa 64 Jahre steigen, um wenigstens die höhere Lebenserwartung auszugleichen. Zugleich muss die Erwerbsquote von Frauen deutlich steigen. Und für alle gilt: Der Berufseinstieg muss ein Jahr nach vorne verschoben werden. Zudem leisten wir uns eine viel zu große Zahl von Arbeitslosen. Es würde viel helfen, wenn diese wenigstens geringfügig arbeiten würden und die Zahl der Vollarbeitslosen auf 1,5 Millionen sinken würde.

Die Fragen stellte Dorit Heß.

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