Vierter Jahrestag des Irakeinsatzes
Amerikas Albtraum

Am vierten Jahrestag ist ein Ende des amerikanischen Militäreinsatzes im Irak nicht in Sicht. Schon lange muss die US-Armee auf die Nationalgarde zurückgreifen, um ihre Truppenpräsenz zu erhalten. Die permanenten Anschläge im Zweistromland wirken zermürbend auf die Soldaten – und untergraben die Moral der Truppe.

WASHINGTON. Zum vierten Jahrestag der Irak-Invasion hat US-Präsident George W. Bush seine Landsleute um mehr Geduld gebeten. Es könnte verlockend klingen, die Sachen zu packen und aus dem Irak zu verschwinden, sagte Bush gestern im Weißen Haus. Doch die Folgen einer solchen Entscheidung für die amerikanische Sicherheit wären „verheerend“, warnte der Präsident. Bushs Bemerkungen bezogen sich auf den Versuch der Demokraten, weiteres Geld für den Irak-Krieg direkt von Erfolgen und einem festen Abzugstermin abhängig zu machen. Das Repräsentantenhaus soll in dieser Woche über einen entsprechenden Antrag abstimmen.

Außenministerin Condoleezza Rice hatte zuvor eingeräumt, dass man bei der Berechnung der Truppenstärke Fehler gemacht habe. Die USA hätten zu Kriegsbeginn zu wenig Soldaten in den Irak geschickt, um schon direkt nach dem Sturz von Saddam die Gewalt einzudämmen. Rice kritisierte damit offen die Strategie des Ende 2006 zurückgetretenen Verteidigungsministers Donald Rumsfeld, der sich stets gegen eine Truppenaufstockung gesperrt hatte. Im Januar hatte Bush angekündigt, die Zahl der Soldaten im Irak zu erhöhen. Derzeit sind dort mehr als 135 000 US-Soldaten, Bush will weitere 30 000 Soldaten in den Irak schicken.

Gleichzeitig bürdet der Krieg den US-Streitkräften immer neue Lasten auf. Viele Einheiten sind bereits zum dritten Mal seit Kriegsbeginn im Irak stationiert. Die Stationierungsdauer beträgt heute in der Regel ein Jahr – keine Rede ist mehr von jenen sechs Monaten, von denen man noch 2003 ausgegangen war. Teile der Armee, wie etwa Sanitäter, werden sogar länger als zwölf Monate in den Irak geschickt. Zu den längeren Entsendungszeiten hat auch die beschlossene Truppenerhöhung beigetragen. Denn sie wird im Wesentlichen durch ein Vorziehen der Rotation bewerkstelligt.

Schon lange muss die US-Armee auf die Nationalgarde zurückgreifen, um ihre Truppenpräsenz im Irak zu erhalten beziehungsweise auszubauen. Präsident Bush setzt also auf „Soldaten im Nebenberuf“. Werden Nationalgardisten einberufen, kommen sie zwar oft aus Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutzorganisationen. Häufig aber gehen sie auch einem ganz normalen Zivilberuf nach. Mangels Training gelten sie für die Herausforderungen der Kriegführung im Irak als schlecht gerüstet, auch wenn offiziell das Gegenteil behauptet wird. Zeitweise machten die Verbände der Nationalgarde im Irak bis zu einem Drittel der gesamten dortigen Streitkräfte aus. Dieser Anteil wurde jedoch inzwischen gezielt verringert.

Ein Grund dafür dürfte nicht nur die Zahl der Gefallenen sein, die aus den Reihen der Nationalgarde kommt. Auch spielt eine Rolle, dass die USA von dem Potenzial der rund 350 000 Nationalgardisten bereits rund 270 000 für die Einsätze in Irak und Afghanistan mobilisiert hat. Das Gesetz sieht jedoch nur eine zeitlich eingeschränkte Verwendung von Nationalgardisten vor. So durfte ursprünglich ein Nationalgardist in einem Fünfjahreszeitraum lediglich ein Jahr in den Einsatz geschickt werden. Jetzt sind 24 Monate Einsatz in sechs Jahren möglich.

Seite 1:

Amerikas Albtraum

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%