Villepin signalisiert Kompromissbereitschaft
Proteste eskalieren in Paris wieder

Am Dienstag ist es in Frankreich bei neuen Protesten gegen die umstrittene Arbeitsmarktreform abermals zu Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen.

HB PARIS. Mehrere hundert Demonstranten bewarfen im Pariser Park Jardin du Luxembourg Polizisten mit Flaschen und Steinen. Mehrere Autos wurden beschädigt. Zuvor hatten tausende Studenten zunächst friedlich gegen die Reform von Premierminister Dominique de Villepin protestiert.

„Es ist die Straße, die regiert“, riefen die Studenten, und stellten damit die Autorität Villepins in Frage. Später kamen rund 300 Studenten vor dem Pantheon zu einer Gegendemonstration zusammen, mit der sie gegen die Blockade der Universitäten protestierten. Sie skandierten: „Genug, genug, lasst uns durch!“ Für Donnerstag waren erneut landesweite Demonstrationen gegen eine Lockerung des Kündigungsschutzes für Berufseinsteiger geplant.

Villepin traf sich am Nachmittag mit Abgeordneten der Regierungspartei UMP hinter verschlossenen Türen, um über Auswege aus der Krise zu beraten. Zuvor kam er in Poissy westlich von Paris mit jungen Arbeitslosen zu einem Gespräch zusammen. „Das Gesetz ist gut gemacht“, sagte er. Zugleich äußerte er Kompromissbereitschaft in zwei Punkten des umstrittenen Erstanstellungsvertrags (CPE), der eine Probezeit von zwei Jahren ohne Kündigungsschutz vorsieht.

Der UMP-Fraktionschef in der Nationalversammlung, Bernard Accoyer, erklärte, bei der Umsetzung des CPE sollte den Unternehmen ein Spielraum gewährt werden. Zudem sollten sich die Firmen gegenüber den Personalbeauftragten erklären müssen, wenn sie einen Berufseinsteiger entlassen würden.

Die Proteste am Dienstag waren die vierten in acht Tagen. Die Stimmung wurde auch durch einen Vorfall vom Samstag angeheizt. Bei den Demonstrationen war an dem Tag ein 39-Jähriger so schwer verletzt worden, dass er noch am Dienstag im Koma lag. Die Gewerkschaften werfen der Polizei vor, den Mann absichtlich fast zu Tode getrampelt zu haben. Die Gewerkschaft der Polizei beteuert indes, der Mann sei von Demonstranten verletzt worden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%