Vitali Klitschko
Der Mann mit der starken Linken

Er hat eine starke Linke und gibt nicht so schnell auf: Beim EU-Gipfel kämpft Vitali Klitschko auf politischem Parkett um eine Annährung der Ukraine an die EU. Sein Blick geht nach vorn. 2015 will er Präsident werden.
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Kiew/Brüssel/DüsseldorfDas bekannteste Gesicht der ukrainischen Opposition hat seinen Kampf noch nicht aufgegeben. Gemeinsam mit weiteren Regierungskritikern ist Vitali Klitschko von der proeuropäischen Udar-Partei (passenderweise: Schlag) nach Vilnius zum EU-Ostpartnerschaftsgipfel gereist. Der Schwergewichtsweltmeister hat den Boxring gegen Rednerpult Verhandlungszimmer getauscht.

Austeilen kann der 42-Jährige, der zu aktiven Zeiten auch Doktor Eisenfaust genannt wurde, auch verbal. Klitschko erhebt schwere Vorwürfe gegen den ukrainischen Präsidenten. „Janukowitsch fürchtet sich vor europäischen Standards, denn sie würden ihn dabei stören, das Land weiter auszuplündern.“

Klitschko pflegt den Pathos und weiß seine Schläge, gerade gegen Amtsinhaber Viktor Janukowitsch, zu platzieren. Er kann zuspitzen, beherrscht die politische Rhetorik und schüttelt Statistiken aus dem Ärmel, die seine Empörung stützen. Etwa wie weit hinten die Ukraine im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International liegt. 2012 fand sich das Land mit Platz 144 (von 176 untersuchten Ländern) in Gesellschaft von Staaten wie Bangladesch und Syrien.

Sein Auftritt in Vilnius sollte da ein gehöriger Schritt nach vorne werden. Die Ukraine sollte beim zweittägigen EU-Gipfel eigentlich ein Abkommen über Assoziierung und freien Handel mit der EU unterzeichnen. Doch in der vergangenen Woche setzte die Regierung in Kiew die Vorbereitungen auf das Assoziierungsabkommen aus. Stattdessen soll der Handel mit Russland wiederbelebt werden.

Auch eine Reise der inhaftierten und schwer erkrankten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko zur Behandlung nach Deutschland lehnte das Parlament ab. Eine Zustimmung hatte die EU aber zur Bedingung für weitere Gespräche über das Assoziierungsabkommen gemacht. Doch Russland mischte sich ein und drohte der Ukraine mit Handelsstrafen. Jetzt scheint es als würde sich das Land unter Janukowitsch tatsächlich weiter an den östlichen statt die westlichen Nachbarn binden.

Genau dagegen kämpft Vitali Klitschko, der ältere Bruder vom Mehrfach-Champion Wladimir. „Wir, die Ukrainer, wollen einen Wandel", sagte Klitschko am Donnerstag vor Journalisten in der litauischen Hauptstadt. „Wir wollen Teil der europäischen Familie werden.“ Tage bevor er in die litauische Hauptstadt gereist war, war er selbst noch auf die Straße gegangen und hatte Stimmung gegen die Regierung von Janukowitsch und für eine EU-Annäherung der Ukraine gemacht. „Heute gibt es in der Ukraine keinerlei Perspektiven“, rief Klitschko dabei der Menge zu.

Tausende Studenten aus allen Teilen des Landes zogen mit ihm durch das Zentrum der ukrainischen Hauptstadt, wie der oppositionsnahe 5. Kanal berichtete. In Sprechchören appellierten sie an Janukowitsch, das Abkommen über eine engere Zusammenarbeit mit der EU und freien Handel doch noch zu unterzeichnen. Und mittendrin: der Box-Champion. Klitschko und seine Mitstreiter wollen an die Macht – und dann alles verändern.

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