Vizeprmier-Serhij Tihipko
Ukraine will Freihandelsabkommen mit der EU

Die Beziehungen zwischen Ukraine und EU gelten wegen des Verfahrens gegen die Ex-Regierungschefin Tymochenko als angespannt. Dennoch hofft die Ukraine auf eine baldige Einigung über ein Freihandelsabkommen.
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Ungeachtet der Kritik aus EU-Staaten setzt die Ukraine auf einen schnellen Abschluss eines Freihandelsabkommens mit Europa. "Wir hoffen, es noch bis Jahresende parafieren zu können", sagte Vizepremier Serhij Tihipko dem Handelsblatt nach Beratungen in Berlin. Zugleich räumte er als erster hochrangiger Politiker seines Landes ein, "dass das Verfahren gegen Tymoschenko den Verhandlungsprozess natürlich erschwert". Allerdings müsse Europa verstehen, dass die Regierung des immer wieder als pro-russischen Kiewer Präsidenten Wiktor Janukowitsch sehr ernsthaft eine Annäherung an die EU anstrebe. Kiew habe - im Gegensatz zur früheren, vermeintlich europa-freundlichen Regierung der orangenen Revolution - alle nötigen Reformen angepackt.

Die Ukraine steht laut Tihipko vor der Wahl, entweder ein Freihandelsabkommen mit der EU abzuschließen oder der Zollunion mit Russland, Kasachstan und Weißrussland beizutreten. "Da entscheiden wir uns für Europa wegen der besseren Standards für die Wirtschaft und die Demokratie", unterstrich Tihipko. Er kündigte zudem weitere tiefgehende Reformen an wie einen grundlegenden Umbau des Rentensystems.

Die Ukraine, die in der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise nur mit einem Milliarden-Hilfsprogramm einen Staatsbankrott abwenden konnte, sei ökonomisch wieder genesen, sagte Tihipko. Bereits in diesem Jahr werde das Haushaltsdefizit unter drei Prozent gedrückt, im ersten Halbjahr habe es sogar unerwartet einen Etatüberschuss gegeben.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Vizeprmier-Serhij Tihipko: Ukraine will Freihandelsabkommen mit der EU"

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  • Was ist das denn für eine unreflektierte Widergabe - ist das Handelsblatt seit neuestem das Sprachrohr von Herrn Tigipko? Der Herr Vize Premier hat übrigens vor kurzem die ihm verantwortete Rentenreform gegen die Wand gefahren. Das Gesetz ist nach vielem Hin und Her nun so verwässert, dass der IWF seine zugesagten Kredite weiter zurückhält.... Soviel zu den erfoglreichen Reformen,von denen Tigipko so gerne redet.

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