VJTF-Übergabe an Spanien Wechsel bei Nato-Speerspitze

Die ersten Manöver haben gezeigt: Die Speerspitze der Nato, die Very High Readiness Joint Task Force, ist innerhalb weniger Tage einsatzbereit. Größter Bremsfaktor ist die Bürokratie. Nun übernimmt Spanien das Kommando.
Bei der ersten Übung der neuen Truppe mit dem Namen „Noble Jump“ nahmen 2100 Soldaten aus neun Nationen teil. Quelle: dpa
Operation „Noble Jump“

Bei der ersten Übung der neuen Truppe mit dem Namen „Noble Jump“ nahmen 2100 Soldaten aus neun Nationen teil.

(Foto: dpa)

MünsterDas Deutsch-Niederländische Korps in Münster bildet seit elf Monaten die Nato-Speerspitze. Kurz vor Übergabe der Aufgabe an Spanien im Januar zieht der Kommandierende General, Volker Halbauer, ein positives Fazit. Seine Truppe konnte 2015 die Reaktionszeit bei Verlegungen an Krisenorte den Anforderungen entsprechend von 15 bis 30 auf 2 bis 7 Tage verkürzen.

Probleme gab es bei den Übungen zu Friedenszeiten allerdings bei der Bürokratie: „Wenn Sie viele Tonnen an Munition schnell über die Grenze in ein anderes Land bringen müssen, die Bestimmungen aber eine Anmeldefrist von 60 Tagen vorsehen, dann haben wir natürlich ein Problem“, sagte Halbauer bei seiner Bilanz am Dienstag in Münster. Ähnliche Hürden gab es beim Transport von Truppenteilen mit der Bahn. Die Politik hatte die Speerspitze als Reaktion auf die Ukraine- und Krimkrise 2014 beschlossen, um gegenüber Russland Stärke zu zeigen.

Halbauer betonte zusammen mit seinem niederländischen Stellvertreter Generalmajor Leo Beulen, dass die Nato-Speerspitze aber eben nicht nur für die Ukraine-Krise geschaffen worden sei. „Wir müssen einen Rundumblick haben und überall reagieren können, nicht nur an der Nato-Ostgrenze“, sagte Halbauer. Er verwies auf den aktuellen Konflikt in Syrien und das Gefühl, dass die Welt aus den Fugen geraten sei.

Premiere für die Speerspitze
Die schnelle Eingreiftruppe der Nato
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Im Herbst 2014 wurde die Bildung der „Very High Readiness Joint Task Force“ (VJTF, umgangssprachlich auch als „Speerspitze“ bezeichnet) von den Nato-Staaten beschlossen – als Antwort auf eine mögliche Bedrohung durch Russland. Auslöser war die Krim-Krise, bei der über Nacht unmarkierte russische Soldaten auf der ukrainischen Halbinsel auftauchten und sie besetzten.

Premiere für die VJTF
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Die Übung „Noble Jump“ war das erste Manöver, das die VJTF durchführte. An der Übung in Zagan im Osten Polens nahmen rund 2100 Soldaten aus Deutschland, Belgien, Litauen, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Tschechien, Ungarn und den USA teil. Die Bundeswehr stellte etwa 350 Soldaten zur Verfügung. Insgesamt besteht die Nato Response Force (NRF), der auch die VJTF untergeordnet ist, aus 5000 Soldaten.

Hohe Polit-Prominenz
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Neben Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg waren auch die Verteidigungsministerinnen Deutschlands, Ursula von der Leyen (CDU, l.), Norwegens, Ine Marie Eriksen (2. v. r.), und der Niederlande, Jeanine Hennis-Plasschaert, nach Polen gereist. Von der Leyen betonte in der Süddeutschen Zeitung, dass es wichtig sei, „dass wir den baltischen Ländern, aber auch Polen, Rumänien und Bulgarien deutlich machen, dass ihre Sorgen auch unsere Sorgen sind.“

Ein bothnischer Angriff
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Geübt wurde laut Neuer Zürcher Zeitung ein fiktives Szenario: ein Angriff des Landes Bothnien auf die zu Estland gehörende Insel Hiiumaa. Die Situation ähnelt der Lage auf der Krim März 2014. Da hatte Russland Soldaten ohne Kennzeichnung auf der ukrainischen Halbinsel abgestellt und den Landesteil de facto annektiert.

Bothnien ist Russland
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Nicht nur das Szenario, auch die Bewaffnung der fiktiven „bothnischen Armee“ ließ keinen Zweifel zu: Die Nato probt den Ernstfall gegen Russland. Geübt wurde gegen einen Feind, der unter anderem ballistische Boden-Boden-Raketen vom Typ Scud-D verwendet, berichtet die NZZ – genau wie Russland.

Bekanntes Terrain
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Der polnische Ort Zagan wurde nicht umsonst gewählt, auch wenn die Übung eine Situation in Estland simulierte: Nur rund 300 Kilometer entfernt steht im polnischen Bromberg das Joint Force Training Center der Nato, in dem die gemeinsamen Streitkräfte ausgebildet werden. Hier spricht der Oberkommandierende der Europa-Nato, der US-General Philip Breedlove, mit Verteidigungsministerin von der Leyen.

Gelungener erster Auftritt
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Polens Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak lobte die Soldaten laut „SZ“ für die erfolgreiche Übung: „Wir hatten Gelegenheit, mit eigenen Augen zu sehen, wie die Nato funktioniert und wie die Beschlüsse des Wales-Gipfels umgesetzt werden.“

  • dpa
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