Völkermord auf dem Balkan
Serbischer Ex-General Mladic festgenommen

Seit Ende 1995 ist er auf der Flucht, nun haben Fahnder Ratko Mladic, den „Schlächter vom Balkan“ festgenommen. Die Festnahme des Kriegsverbrechers ist ein großer Erfolg - auch Serbien profitiert direkt davon.
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BelgradDer als Kriegsverbrecher gesuchte frühere bosnisch-serbische General Ratko Mladic ist nach mehr als 15 Jahren auf der Flucht in Serbien festgenommen worden. „Im Namen der Republik Serbien teile ich mit, dass Ratko Mladic verhaftet wurde“, sagte Serbiens Präsident Boris Tadic am Donnerstag in einer eilig einberufenen Pressekonferenz in Belgrad. Jetzt könne Serbien „ein unrühmliches Kapitel seiner jüngeren Geschichte“ abschließen.

Mladic werde in Kürze an das UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag überstellt. Dort muss sich der Militärführer der bosnischen Serben im Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina von 1992 bis 1995 wegen Völkermords verantworten.  

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen begrüßte die Verhaftung des früheren bosnischen Serbengenerals. Mladic habe „eine Schlüsselrolle in einigen der dunkelsten Kapiteln der Geschichte des Balkans und Europas gespielt“, heißt es in einer am Donnerstag in Brüssel veröffentlichten Erklärung Rasmussens. 16 Jahre nach der Anklage gegen ihn „bietet seine Verhaftung endlich eine Chance dafür, dass die Gerechtigkeit ihren Lauf nimmt“.

Die wiederholt geforderte Festnahme von Mladic galt als eines der größten Hindernisse bei den Bemühungen Belgrads um eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Entsprechend stellte Tadic klar, dass Belgrad nun als Gegenleistung für die Verhaftung von Mladic einen zügigen EU-Beitritt erwarte. „Ich hoffe, dass jetzt die Türen offen stehen“, sagte der Präsident.  

Die Verhaftung von Mladic öffne auch die Türen für eine Versöhnung auf der gesamten Balkanhalbinsel, sagte Tadic. „Die Verhaftung ist wichtig für die Versöhnung“. Serbien befreie sich von einer schweren Last.  Details zur Festnahme wollte Tadic nicht preisgeben. „Das werden die Vertreter der Sicherheitsbehörden tun“, sagte er.

Der gewöhnlich gut informierte Sender B92 berichtete, Mladic sei im Norden des Landes dingfest gemacht worden. Der Geheimdienst habe den Gesuchten in dem Dorf Lazarevo bei Zrenjanin verhaftet. Davor hatten serbische Medien berichtet, der Geheimdienst habe am Donnerstagmorgen einen Mann mit dem Namen Milorad Komadic festgenommen, der auffällig viele biografische Merkmale des ehemaligen bosnisch-serbischen Generals aufweise.  

Der frühere General der bosnischen Serben wird unter anderem für das Massaker von Srebrenica im Sommer 1995 verantwortlich gemacht. Nach der Eroberung der UN-Schutzzone und Muslim-Enklave im Osten Bosniens durch serbische Truppen unter Mladics Befehl wurden damals knapp 8000 muslimische Männer und Jugendliche hingerichtet und in Massengräbern verscharrt. Auch die jahrelange Belagerung von Sarajevo und die vielen Toten in der bosnischen Hauptstadt werden Mladic angelastet, ebenso wie „ethnische Säuberungen“ und die Gräuel in Internierungslagern.  

„Die Gerechtigkeit hat gesiegt“, sagte Semir Guzin, Rechtsvertreter der Vereinigung „Mütter von Srebrenica“ dem britischen Sender BBC. „Wir haben die Hoffnung, dass Mladic bekommt, was er verdient“, sagte Guzin. „Der Prozess der Auslieferung läuft bereits mit seiner Festnahme“, sagte der serbische Präsident Tadic zur baldigen Überstellung des Ex-Generals an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Dort sitzt bereits Mladics ehemaliger „Vorgesetzter“, Serbenführer Radovan Karadzic, seit seiner Festnahme 2008 ein.

Karadzic hatte jahrelang in Belgrad als Kräuterdoktor und esoterischer Heilpraktiker unter falschem Namen gelebt. In einer ersten Reaktion begrüßte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die Festnahme von Mladic. „Es hat zwar mehr als 15 Jahre gedauert, aber jetzt haben die Menschen, die gelitten haben, die Hoffnung, dass er vor Gericht gestellt wird“, sagte ai-Vertreter Widney Brown.

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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