Völkermordanklage
Karadzic zum zweiten Mal vor dem Uno-Tribunal

Der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic hat am Freitag erneut die Gelegenheit, angesichts der gegen ihn erhobenen Völkermordanklage auf schuldig oder nicht schuldig zu plädieren. Der im Juli verhaftete Karadzic muss dann zum zweiten Mal vor dem Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag erscheinen.

HB DEN HAAG. Bei seiner ersten Vorführung vor vier Wochen hatte er sich noch nicht konkret geäußert und von der ihm zustehenden 30-Tage-Frist Gebrauch gemacht. Karadzic war im Bürgerkrieg Anfang der 1990er Jahre der politische Führer der bosnischen Serben. Die Anklage macht ihn verantwortlich für die Ermordung und Vertreibung zehntausender Muslime und Kroaten aus den serbisch kontrollierten Gebieten Bosniens. Der 63-Jährige war im Juli nach mehr als einem Jahrzehnt des Untertauchens überraschend in Belgrad gefasst worden. Der ausgebildete Psychologe praktizierte dort unter falschem Namen und mit stark verändertem Äußeren als Alternativmediziner.

Seit seiner Verhaftung besteht Karadzic darauf, dass die USA ihm seinerzeit verbindlich zugesagt hätten, er werde trotz Anklage nicht vor Gericht gestellt, wenn er sich völlig aus der Öffentlichkeit zurückziehe. Da er dies getan habe, sei seine Verhaftung illegal, argumentierte Karadzic schon bei seinem ersten Auftritt vor Gericht.

Inzwischen hat er verlangt, ehemals führende US-Politiker wie die frühere Außenministerin Madeleine Albright als Zeugen dafür aufzurufen. Die Betroffenen haben seine Version allerdings schon mehrfach bestritten. Außerdem bezweifeln Juristen, dass eine derartige Zusage der USA irgendwelche Konsequenzen für das Verfahren vor dem internationalen Kriegsverbrechertribunal hätte.

Ob diese Fragen schon an diesem Freitag eine Rolle spielen werden, ist offen. Zunächst geht es nur um die Frage, ob Karadzic eine Schuld eingestehen will. In diesem Fall erübrigte sich nämlich eine Hauptverhandlung mit Beweisaufnahme und es könnte alsbald über ein Urteil beraten werden. Allerdings wird nicht mit einem Schuldbekenntnis Karadzics gerechnet.

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