Völlig freie Fahrt gibt es nicht
Kaum Wartezeiten an der deutsch-polnischen Grenzen

Seit dem 1.Mai ist das Passieren der deutsch-polnischen Grenze spürbar angenehmer geworden. Kein langes Warten im Stau, keine Abfertigungsprozedur. Denn mit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union sind die Zollkontrollen an den Grenzübergängen wegfallen. Völlig freie Fahrt gibt es allerdings noch nicht.

HB FRANKFURT/ODER/POMELLEN. Die Grenzschutzpolizei bleibt noch so lange da, bis das Beitrittsland die „Schengen“-Kriterien erfüllt; also zum Beispiel sichere Außengrenzen zu Drittländern.

Der Grenzübergang an der A 12 Berlin-Frankfurt/Oder war vielen internationalen Lastwagenfahrern Jahre lang als verhasst. Ob sie schnell oder langsam fuhren, Waren oder keine an Bord hatten: am größten deutsch-polnischen Übergang war erst einmal Schluss. Wer von Paris nach Moskau, von Kasachstan nach Barcelona oder nur zwischen den Hauptstädten Deutschlands und Polens mit dem Laster pendelte, musste hier halten. Jahrelang galt der Kontrollpunkt als das Nadelöhr im EUropäischen Warenverkehr. „Deshalb sind viele Kraftfahrer auf Übergänge nördlich und südlich davon ausgewichen, weil es dort schneller ging“, sagt Peter Holzem, Leiter des Bundesgrenzschutzamtes Frankfurt (Oder).

Wenn in Frankfurt 48 Stunden Wartezeit angesagt waren, dauerte der Halt an den Grenzstationen in Guben, Forst oder Schwedt nur 24 Stunden. Dies habe sich mit Polens EU-Beitritt geändert. „Die Laster, die früher nördlicher oder südlicher gelegene Übergänge nutzten, fahren jetzt über die A 12“, sagt Jörg Birkemeyer, Vorsteher des Hauptzollamtes Frankfurt (Oder). Seit Mai hat sich die Zahl der kontrollierten Laster auf 6 000 verdoppelt.

Die Stauanlage „Frankfurter Tor“ mit 960 Stellplätzen, bis Ende April immer belegt, ist ziemlich leer. Die Kraftfahrer kämen nur noch, um ihre Ruhezeiten einzuhalten oder das sonntägliche Fahrverbot abzuwarten, erklärt eine Sprecherin der Betreiberfirma Garonor. An der Autobahn 11 Berlin-Stettin reihten sich noch in der Nacht vor der EU-Erweiterung hunderte Laster aneinander. Die Fahrer warteten bis zu 40 Stunden. Ganz verschwunden ist die Schlange nicht und auch in der benachbarten Spur für Pkw geht es nicht ganz ohne Anstehen. Doch die andere Seite der früheren EU-Außengrenze ist dEUtlich schneller erreicht, weil sich das Arbeitsprozedere der Grenzschützer geändert hat.

„Wir arbeiten jetzt mit den polnischen Kollegen Hand in Hand“, berichtet Jürgen Dressel, stellvertretender Leiter der Bundesgrenzschutzinspektion Pomellen. Nur wenige Minuten dauert es, bis Dariusz Kowalski aus Stettin die frühere „Oder-Neiße- Friedensgrenze“ in Pomellen passiert hat. Bis vor drei Monaten hätten die Beamten seine Identität und seinen Polski Fiat gründlich untersucht, berichtet der Student. Seit er EU-Bürger ist, wird er wie seine Landsleute nur noch stichprobenweise gründlich kontrolliert. Dass die Freiheit an der Grenze nicht ganz grenzenlos ist, ist einigen Polen wohl nicht bewusst. „In drei, vier Fällen sind wir schon nachgeeilt, weil die EU-Neulinge dachten, die Grenze sei ganz offen“, sagt Dressel. Andere Polen wiederum wollten die neue Freiheit für kriminelle Geschäfte nutzen und wurden ebenso enttäuscht. Auch Lastwagen werden regelmäßig genau unter die Lupe genommen. Mit Mikrokameras und CO2-Messgeräten testen die Grenzschützer etwa, ob auf den Ladeflächen Menschen geschmuggelt werden. Versuche, illegal einzureisen, gibt es nach wie vor an der Grünen Grenze und am Grenzübergang. „Neu war für uns der Fall, dass wir Menschen im Kofferraum eines Pkw fanden“, berichtet Dressel. Auch auf Kosmetik, hochwertige Markenbekleidung, Autoradios, Autolautsprecherboxen und Radio-/Navigationskombinationsgeräten, die in Deutschland gestohlen wurde, stoßen die Grenzbeamten noch regelmäßig.

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