Vogelgrippe
Der Tag X für Genießer

Frankreich übt den Vogelgrippe-Notfall – mit Foie-Gras-Kanapees. Krisenpläne gibt es bereits seit Ende 2004, nun wollen die Behörden zeigen, dass die Konzepte nicht nur auf dem Papier stehen. Deutschland lässt sich mehr Zeit: Hierzulande wird noch an Plänen gearbeitet.

LYON / BERLIN. Es ist 8.45 Uhr. Flug RF 2402 aus Südostasien mit Ziel Lyon meldet ein Problem. Zwei Passagiere haben hohes Fieber und Atemprobleme. Sofort schaltet sich der Flughafenarzt ein: „Könnten die beiden in Kontakt mit Vögeln gewesen sein, die die Vogelgrippe haben?“

Aus dem Funkgerät knarzt der Pilot zurück: „Positiv, der Mann ist Tierarzt und war in Asien bei einer Impfaktion für Geflügel dabei, die Frau ist Tierhändlerin.“ Der Flughafenarzt löst Alarm aus: Die beiden Passagiere bekommen Atemschutzmasken verpasst und werden von den übrigen Fluggästen isoliert.

Diese Szene flimmert über eine Leinwand im Terminal zehn des Lyoner Flughafens. Auf goldfarben lackierten Stühlen mit roten Velourpolstern verfolgen mehr als 100 Journalisten das Schauspiel. In der ersten Reihe: Premierminister Dominique de Villepin und die halbe Regierung.

Als der Film vorbei ist, folgt die Live-Darbietung: Ein Airbus kommt herangerollt. Die beiden Passagiere, die sich vermutlich mit dem Vogelgrippe-Virus infiziert haben, steigen aus dem Flugzeug in einen wartenden Notarztwagen und fahren davon.

De Villepin nickt zufrieden. Die Übung, Teil der so genannten „ersten regionalen Simulation des Vorsorgeplans für das Risiko einer Grippepandemie“, hat geklappt. Alle nationalen TV-Sender haben das Geschehen gefilmt. Sogar das japanische Fernsehen war dabei. Die Botschaft solcher Bilder liegt auf der Hand: Macht euch keine Sorgen. Die Regierung ist im Kampf gegen die Vogelgrippe auf alles vorbereitet.

Damit hat Frankreich schon früh angefangen: Im Oktober 2004 erarbeiteten die Behörden einen nationalen Notfallplan, der sich mit verschiedenen Krisenszenarien befasst. „Wir wollen mit der Übung zeigen, dass dieser Plan nicht nur auf dem Papier steht“, sagt Francis Delon, Generalsekretär für Landesverteidigung.

Ob die Probe für den Ernstfall, die schon fast zu perfekt, zu glatt über die Bühne ging, die Menschen wirklich beruhigt? Spätestens am Samstag sorgte diese Nachricht erneut für Unsicherheit: Das Vogelgrippevirus hat in einem französischen Geflügelzuchtbetrieb zugeschlagen – es ist der erste Fall dieser Art in Europa. Der Hof mit 11 000 Truthähnen wurde abgeriegelt, die Tiere getötet. Dies ist ein weiterer Schlag für Frankreichs Geflügelzüchter. Schon zuvor waren ihre Umsätze deutlich eingebrochen. Und ausgerechnet am vergangenen Wochenende begann die große Landwirtschaftsmesse in Paris, bei der aus Sicherheitsgründen Geflügelzüchter ausgeschlossen wurden. Einer der ersten Messebesucher war Staatspräsident Jacques Chirac. Er mahnte zur Ruhe: „Es entwickelt sich eine ungerechtfertigte Panik. Ich fordere alle Medien auf zu betonen, dass keine Gefahr besteht.“

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