Volksabstimmung
Schweizer Kreuz mit der Gesundheit

Erneut werden die Schweizer zur Urne gebeten – und es wird spannend: Es steht eine wichtige Abstimmung zum Gesundheitssystem an, die weltweit für Schlagzeilen sorgen könnte. Es geht um einen Systemwechsel.
  • 0

ZürichVolksabstimmungen in der Schweiz sind spannend geworden. Denn die Eidgenossen schrecken an den Urnen immer seltener auch vor Radikallösungen zurück, wie jüngst beim Votum zur Begrenzung der Einwanderung. Nun steht Sonntag eine wichtige Abstimmung zum Gesundheitssystem an, die weltweit für Schlagzeilen sorgen könnte.

Es geht um nicht weniger als um einen radikalen Systemwechsel – auch wenn es nicht, wie einige Agenturen schrieben, um die Abschaffung der Privaten Krankenversicherung geht. Die Initianten wollen indes die medizinische Grundversicherung den rund 60 Schweizer privaten Versicherern entziehen und an ihrer Stelle eine landesweite öffentliche Krankenkasse setzen.

Derzeit besteht die Krankenversicherung aus zwei Teilen: die obligatorische Grundversicherung, deren Leistungen vom Staat vorgegeben werden. Die Prämien sind dabei für alle Versicherten einer Krankenversicherung gleich, unabhängig von Alter, Geschlecht oder vorhandenen Gesundheitsrisiken. Die Höhe der Kopfprämien unterscheidet sich je nach Kanton. Die Versicherer unterliegen bei dieser Grundsicherung einem Kontrahierungszwang, das heißt, sie dürfen keinen Kunden ablehnen. Damit die Versicherungen nicht nur den Jungen und Gesunden nachjagen, gibt es eine Art von Risikoausgleich zwischen den Versicherungen.

Der zweite Teil besteht aus privaten Zusatzpolicen. Sie sind freiwillig, entsprechend haben Kunden eine riesige Auswahl an Tarifen. Rund 80 Prozent aller Schweizer haben eine solche Zusatzpolice. Diese privaten Krankenversicherungen blieben auch nach der Einführung einer staatlichen Krankenkasse erhalten.

Die Verfechter einer öffentlichen Grund-Krankenkasse erhoffen sich nun, durch den Wegfall des aus ihrer Sicht Pseudo-Wettbewerbs der rund 60 Versicherer um die Grundversicherung sinkende Verwaltungskosten und mehr Effizienz. „Mit der öffentlichen Krankenkasse stoppen wir die Prämienexplosion und bekommen die Kosten in den Griff“, meint Jacqueline Fehr, Parlamentsabgeordnete und Vize-Präsidenten der Schweizer Sozialdemokraten. Rund zwei Milliarden Franken könnten durch eine bessere Abstimmung bei der Behandlung eingespart werden, rechnen die Befürworter vor.

Seite 1:

Schweizer Kreuz mit der Gesundheit

Seite 2:

Gegner fürchten Qualitätsverlust

Kommentare zu " Volksabstimmung: Schweizer Kreuz mit der Gesundheit"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%