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Volksbewegung: Die Hamas – Extremisten an der Regierung

Die radikal-islamische Hamas ist eine Volksbewegung mit einem militärischen Flügel. Doch die Partei hat nicht nur Destruktives vorzuweisen: Während viele Palästinenser beim Namen Fatah nur an Korruption denken, gründet sich die Popularität der Hamas auf dem von ihr betriebenen Ausbau der Sozialleistungen. Die Geschichte einer einstigen Guerillatruppe.

Hamas-Aktivisten: Die militante Organisation hat sich der Zerstörung Israels verschrieben. Foto: ap Quelle: ap
Hamas-Aktivisten: Die militante Organisation hat sich der Zerstörung Israels verschrieben. Foto: ap Quelle: ap

TEL AVIV. Die Hamas hat sich in wenigen Jahren von einer Guerillatruppe zu einer effizient organisierten Armee entwickelt, zu der heute rund 15 000 Uniformierte zählen. Die Hamas verfügt zudem über tausende von Kurzstreckenraketen und Dutzende von Grad-Raketen, die mit ihrer Reichweite von 40 Kilometer den Süden Israels unsicher machen. Rund eine Million Zivilisten leben in Israel mit der Gefahr, von Raketen der Hamas getroffen zu werden. Während der zweiten Intifada hatte die Hamas Selbstmordattentate in israelischen Städten organisiert.

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Seit 2006 ist die Hamas auch Regierungspartei. Sie besiegte bei Parlamentswahlen die Fatah von Mahmud Abbas, dem Nachfolger von Palästinenserführer Jassir Arafat. Anfänglich bildeten Fatah und Hamas zusammen die Regierung. Doch die nationalistisch-säkulare Fatah und die religiöse Hamas überwarfen sich. Im Sommer 2007 putschte die Hamas nach einem Bürgerkrieg gegen die Fatah. Die vom Westen ausgebildeten Truppen von Abbas mussten Hals über Kopf fliehen, ebenso die Fatah-Führung. Seither ist die Hamas allein für den Gazastreifen verantwortlich. Gaza wird seitdem isoliert, weil weder westliche noch arabische Staaten die Hamas anerkennen. Sie setzen auf die Fatah.

In der Charta hat sich die Hamas die Zerstörung Israels als Ziel gesetzt. Den 1993 begonnenen Friedensprozess lehnte sie ab. Sie würde sich aber mit der Existenz abfinden, sollte sich Israel aus der besetzten Westbank zurückziehen, sagt die Gruppe.

Doch die Hamas hat nicht bloß Destruktives vorzuweisen. Sie wurde vor zwanzig Jahren gegründet, als Ableger der ägyptischen Moslembrüder, und kann bereits einen ansehnlichen Leistungsausweis vorlegen, jedenfalls aus der Sicht vieler Palästinenser. Sie hat ein Sozialsystem aufgebaut, das Suppenküchen anbietet, Schulen unterhält und Kliniken betreibt. Die Hamas sprach damit vor allem die Armen an, erwartet aber auch, dass sie sich als Gegenleistung dem religiösen Lebenswandel hingeben. Im Gegensatz zur Fatah, der wegen korrupten Ministern und Beamten misstraut wurde, genoss die Hamas einen „Reinheitsbonus“, was ihr zum Wahlsieg verhalf. Finanziert wird das aufwändige Sozialsystem der Hamas vor allem durch die Regierung im Iran. Zuwendungen gibt es auch aus reichen Golfländern sowie von den Gläubigen in den palästinensischen Gebieten. Seit 2007 finanziert sich die Hamas zudem, indem sie Steuern auf dem Schmuggel erhebt und das Tunnelsystem im südlichen Gazastreifen kontrolliert, durch das Waffen geschleust werden.

Die Hamas hat in den vergangenen Monaten Gaza verstärkt ihren islamischen Stempel aufgedrückt. So dürfen zum Beispiel Gefangene, die den Koran auswendig gelernt haben, mit Hafterleichterungen rechnen.

In den vergangenen Jahren hat sie sich immer wieder von harten Schlägen erholt, die ihr von Israel zugeführt worden waren. Hamasgründer Scheich Jassin wurde zum Beispiel von Israel getötet, weil er zu Selbstmordattentaten aufgerufen hatte. Auch andere Anführer der Hamas wurden von Israel eliminiert. hn

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