Volkskongress tagt
Heftiges Gezerre um Chinas neue Führung

Bei der diesjährigen Tagung des chinesischen Volkskongresses ist die Harmonie gestört: Vor dem geplanten Generationswechsel sorgt ein Skandal in der Macht-Elite für Reibereien hinter den Kulissen.
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PekingDie diesjährige Tagung des chinesischen Volkskongresses ist überschattet von einem heftigen Tauziehen um die künftige Führungsspitze der Kommunistischen Partei Chinas. Schon bevor die mehr als 2000 Delegierten am Montag in der Großen Halle des Volkes in Peking zusammenkommen, wird heftig spekuliert, wer dem künftigen Ständigen Ausschuss des Politbüros angehören dürfte. Die Besetzung wird zwar erst auf dem Parteitag im Herbst abgesegnet, wenn der Generationswechsel an der Spitze vollzogen wird. Doch heute werden bereits die Weichen gestellt.

Bislang gehören dem mächtigsten Gremium neun Politiker an. In Zukunft könnten es auch weniger werden - „vielleicht nur sieben“, wie informierte Kreise berichteten. Alle Augen werden sich auf der knapp zweiwöchigen Tagung auf den mächtigen Parteichef der Metropole Chongqing, Bo Xilai, richten. Er scheint angeschlagen, wenngleich noch nicht ausgezählt. Der peinliche Skandal um seinen Polizeichef Wang Lijun, der erst Zuflucht im US-Konsulat in Chengdu suchte, um sich dann in die Hände der Parteizentrale zu begeben, lassen Bo Xilais Aufstieg jedoch immer unwahrscheinlicher erscheinen.

Der rätselhafte Polit-Krimi ist bis heute nicht gelöst. Offenbar wurde gegen den „Super-Bullen“ Wang Lijun ermittelt, so dass Bo Xilai den alten Weggefährten ganz schnell fallen ließ. Doch dürfte der Polizeichef wohl Material gegen seinen Boss in der Hand haben, weshalb er auch plötzlich um sein Leben fürchtete. Wie auch immer die genauen Hintergründe des Skandals waren - ein Mitglied einer der einflussreichen Familien sah einen „gut organisierten“ Schlag aus der Parteizentrale in Peking gegen das Schwergewicht Bo Xilai.

Hat sich der mächtige „Prinzling“ vielleicht mit dem scheidenden Staats- und Parteichef Hu Jintao und dessen Jugend-Liga-Fraktion überworfen? Oder irritiert sein persönlicher Ehrgeiz und seine rote Kampagne mit maoistischen Traditionen in Chongqing den künftigen starken Mann Xi Jinping? Gibt es gar ein größerer Richtungskampf? Solche Fragen beschäftigen politische Zirkel und Diplomaten in Peking schon seit Wochen, ohne dass jemand die Antworten hätte.

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