Vom Hals abwärts gelähmt
Chinese nach ARD-Interview brutal zusammengeschlagen

Ein chinesischer Bürgerrechtler ist nach einem regierungskritischen Interview mit der ARD zum Drei Schluchten-Damm offenbar von Unbekannten zusammengeschlagen worden. Nach Aussagen seiner Familie wird Fu Xiancai gelähmt bleiben.

HB PEKING. Der Mann hatte am 19. Mai in dem ARD-Bericht über den Abschluss der Bauarbeiten für den Staudamm beklagt, er habe wie viele andere Menschen nicht die versprochenen Entschädigungen für die Umsiedlung bekommen. Wie der Sender und die Menschenrechtsgruppe Human Rights in China berichteten, wurde Fu Xiancai in der vergangenen Woche wegen des Interviews von den Sicherheitsbehörden in der Provinz Hubei einbestellt. Auf dem Weg nach Hause sei er angegriffen worden.

Ein Korrespondent der ARD berichtete aus Peking, Fu habe offenbar Brüche im oberen Halswirbelbereich erlitten und sei derzeit vom Hals abwärts gelähmt. „Sein Leben scheint in Gefahr“, sagte der Korrespondent. Die Polizei in Hubei nahm zu den Angaben nicht Stellung.

Fu setzte sich seit den 90er Jahren für die mehr als eine Millionen Menschen ein, die während des Dammbaus zwangsumgesiedelt wurden. Nach Angaben von Human Rights war der Angriff auf den Mann Teil einer ganzen Serie. Die Organisation beschuldigte die Behörden, die Täter nicht zu bestrafen.

Der Intendant des Norddeutschen Rundfunks (NDR), Jobst Plog, protestierte beim chinesischen Botschafter in Berlin. Er forderte ihn auf, alles zu veranlassen, „dass dem schwer verletzten Fu Xiancai jede notwendige und mögliche medizinische Versorgung zuteil wird“. In dem Brief des NDR- Intendanten hieß es: „Es steht außer Zweifel, dass der Überfall ein Racheakt unter anderem wegen seiner Äußerungen im Deutschen Fernsehen war.“

Eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking sagte, die Details des Falles seien ihr nicht klar. China sei ein Rechtsstaat, dessen Bürger „weit reichende Menschenrechte und Freiheiten genießen“. „Doch sollten alle Bürger die jeweiligen Gesetze und Vorschriften beachten.“

Der Bau des heftig umstrittenen Drei-Schluchten-Staudamms wurde im Mai abgeschlossen. Das umgerechnet etwa 20 Milliarden Euro teure Projekt kontrolliert die Flutung von Chinas längstem Fluss Jangtse. In einigen Jahren soll der Damm zudem seinen vollständigen Betrieb als weltgrößten Wasserkraft-Anlage aufnehmen. Ab 2009 sollen die 26 Turbinen so viel Strom produzieren wie fast 20 mittelgroße Atomkraftwerke.

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