Unternehmen wie Elbit oder Rafel, die ursprünglich reine Rüstungsfirmen waren, produzieren nun auch für den zivilen Bereich. Die Kombination von Unternehmergeist und Spezialwissen lockt ausländische Investoren an. Seit acht Jahren hat Israel mehrere Milliarden Dollar an Wagniskapital aufgebracht, die vor allem in Bio- und Kommunikationstechnologie geflossen sind.
Zum 60. Geburtstag kann Israel denn auch mit stolzen Wirtschaftszahlen aufwarten. Die beiden jüngsten politischen Schocks – der Rückzug aus dem Gazastreifen und der Zweite Libanonkrieg – haben den Wachstumstrend nicht beeinflusst (siehe Grafik). Die Landeswährung hat trotz Interventionen der Notenbank gegenüber dem Dollar weiter zugelegt. Die Zinsen sind tief, und das Land hat einen Zahlungsbilanzüberschuss.
Doch in zwanzig Jahren müsse die Wirtschaft noch besser dastehen – davon zumindest träumen führende Wirtschaftsexperten wie der Vorsitzende von Teva, Eli Hurvitz, und David Brodet, ehemaliger Generaldirektor des Finanzministeriums. Der von ihnen entworfene Plan „Israel 2028“ soll das Land zum 80. Geburtstag unter die 15 reichsten Länder der Welt katapultieren. Das Pro-Kopf-Einkommen solle dann bei rund 50 000 Dollar liegen – doppelt so hoch wie heute.
Der ehrgeizige Plan sei notwendig, sagt Brodet. Denn hinter der glitzernden Hightech-Kulisse versteckten sich noch all zu viele traditionelle Firmen und Produktionsmethoden. In Israel ist eine duale Wirtschaft entstanden. Die neue Armut nimmt zu und enthält sozialen Sprengstoff. Der in der globalisierten Welt höchst erfolgreichen High-Tech-Ökonomie steht ein in traditionellen Techniken verhafteter Sektor gegenüber, der mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze stellt. Dort stagnieren die Löhne.
Die durchschnittliche Industrieproduktivität in der Chemie-, Nahrungsmittel, Textil- oder Maschinenindustrie ist nur halb so groß wie in den USA. Israels Ausgaben für Forschung und Entwicklung fließen hauptsächlich in den Hightech-Bereich. Innovative Prozesse in anderen Sektoren kommen deshalb zu kurz. Israel habe zwar die technologische Revolution für einen Wachstumsschub genützt. „Aber“, räumt Brodet ein, „es ist uns nicht gelungen, die Veränderungen auf die breiten Schichten anzuwenden“.

