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27.11.2007 
Sarkozy in China

Von Angela lernen

von Ruth Berschens

Wenn westliche Staatschefs zu einem Besuch in China aufbrechen, ist dies meist ein diplomatischer Balanceakt – Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ahmt daher bei seinem Besuch im Reich der Mitte Angela Merkels selbstbewusste Chinapolitik nach: Klartext reden und trotzdem Geschäfte machen.

XIAN/PEKING. Die zwei jungen Chinesinnen zupfen schon seit zehn Minuten an dem Absperrband herum. Noch einmal den Aluminium-Pfosten nach rechts rücken, noch mal stramm ziehen – fertig. Die beiden betrachten ihr Werk und nicken zufrieden. Endlich bildet das schwarze Band ein perfektes Viereck um das Podest im Eingangsbereich des Hotels. Der feuerrote Porsche darauf ist umringt von Bewunderern, und nicht alle sind Chinesen.

"Damit müsste man jetzt fahren“, sagt ein Mann auf Französisch – obwohl: "Besser nicht, der verbraucht zu viel. Das ist schlecht für die Umwelt, vor allem hier.“ Er wirft einen Blick gen Himmel. Staubgeschwängerte Luft liegt wie eine graue Decke über der Industriestadt Xian und verdunkelt die Sonne.

Der Franzose trägt einen Metallstern am Revers, der auch ein Abzeichen der Kommunistischen Partei Chinas sein könnte. Ein Souvenir? Einen Moment lang ist der Mann verdutzt. "Nein, das ist meine Dienstmarke“, sagt er – und tatsächlich: Unter dem Stern ist, ganz klein, die Abkürzung "SVHP“ zu lesen. Der "Service de protection des hautes personnalités“ gehört zum Tross von Frankreichs Staatspräsidenten. Nicolas Sarkozy ist auf seiner ersten Chinareise, und Xian ist seine erste Station.

In Europa hat sein Tatendrang Sarkozy längst einen Namen gemacht, nicht so in China. Also wertschätzt er zunächst in Xian die Überbleibsel chinesischer Hochkultur, ehe er sich ans wichtige Polit-Geschäft macht. In Xian hat sich einst der erste Kaiser von China mit Tausenden Terrakotta-Kriegern begraben lassen. "Am Fuß dieser Berge fand er das richtige Feng-Shui für sein Mausoleum“, erläutert eine Führerin in ihrer dunkelblauen Uniform und zeigt auf die im Smog verschwimmenden Berggipfel. Dann fragt sie: ",Sakoyz’ – oder wie heißt der Präsident von Frankreich nun eigentlich richtig?“

Reisen ins Reich der Mitte sind für westliche Staatenlenker eine diffizile Angelegenheit. Immer dieser Spagat zwischen den Menschenrechten und den Verheißungen des chinesischen Milliarden-Marktes – lange Jahre haben sich französische Präsidenten ebenso wie deutsche Kanzler für Letzteres entschieden und Ersteres mehr als Pflichtübung verstanden.

Angela Merkel hat sich nun für ein beherztes Sowohl-als-auch entschieden – und damit sogar Außenminister Frank-Walter Steinmeier ziemlich vergrätzt. Und Nicolas Sarkozy gibt sich in China entschlossen, es ihr nachzutun, und das so sehr, als wolle er Angela Merkels selbstbewussteren Stil imitieren. Angela Sarkozy?

Lesen Sie weiter auf Seite 2: In Chiracs Fußstapfen

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