"Frankreich“, beginnt Nicolas Sarkozy, "will ein einziges China, und Taiwan ist ein Teil davon.“ In der ersten Reihe nicken chinesische Offizielle einander zu. Deshalb sei Frankreich strikt dagegen, das taiwanische Volk über seine Unabhängigkeit abstimmen zu lassen, fährt Nicolas Sarkozy fort. Zustimmendes Tuscheln in der ersten Reihe. Frankreichs Staatschef hat nicht vergessen: Als sein Vorvorgänger François Mitterrand Anfang der 90er-Jahre Kriegsschiffe an Taiwan verkaufte, stand Frankreich jahrelang auf der schwarzen Liste Chinas – und verlor lukrative Aufträge.
Genug der Streicheleinheiten für die Gastgeber. Sarkozy schneidet ein neues Thema an: die Menschenrechte. Frankreich "legt Wert auf einen Rechtsstaat“. Prompt gefriert das Lächeln auf den Gesichtern der Chinesen. Und Nicolas Sarkozy legt nach: Frankreich beobachte "die Tätigkeit der Journalisten und die Handhabung der Todesstrafe – und wir wünschen einen Beitritt Chinas zur Uno -Menschenrechtscharta“.
Düsteres Schweigen in Reihe eins. In zwölf Regierungsjahren hat sich ein Jacques Chirac niemals in Gegenwart des chinesischen Präsidenten so geäußert. Angela Merkel schon.
Nicht, dass die deutsch-französische Entente in Sachen China vollkommen wäre: In zwei Punkten sieht Sarkozy die Dinge anders als die Kollegin Merkel in Berlin. Das EU-Waffenembargo gegen China sähe der Präsident gerne aufgehoben, heißt es in Regierungskreisen. Und den Dalai Lama offiziell zu empfangen, wie die Kanzlerin es getan habe, sei "kein gutes Signal“, finden französische Diplomaten. Es herrsche nun "ein anderer Ton“ vor gegenüber China.
Daheim kommt das sehr gut an. Die sonst Sarkozy-kritische Tageszeitung "Le Monde“ kommentiert anerkennend: "Anders als Chirac will Sarkozy der aufstrebenden Weltmacht keine bedingungslose Unterstützung mehr gewähren.“ Nicolas und Angela – endlich einmal Hand in Hand.


