Von Biggs bis Snowden
Ein Leben auf der Flucht

Edward Snowden hat sich für ein Leben auf der Flucht entschieden. Die US-Behörden werden nicht locker lassen, bis er im Gefängnis sitzt. Vor Snowden gelang bereits anderen die Flucht. Doch sie zahlten einen hohen Preis.
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DüsseldorfDer Platz Nummer 17 A bleibt leer, als der Airbus A330 der russischen Fluglinie Aeroflot von Moskau nach Havanna abhebt. Eigentlich soll hier Edward Snowden sitzen – der meistgesuchte Mann der Welt. Doch die Journalisten warten vergebens.

Vor fast vierzig Jahre gab es ein ähnliches Schauspiel. Damals ging es um den meistgesuchten Mann Großbritanniens: Ronnie Biggs. Der britische Kriminalbeamte, Jack Slipper, war eigens ins brasilianische Rio geflogen, um den legendären Posträuber zu verhaften. Doch der Sitzplatz neben Slipper blieb ebenfalls leer. Die britische Boulevardzeitung „Daily Mail“ hielt den schlafenden Slipper und den leeren Sitz neben ihm in einem legendären Foto fest.

Immer wieder sind berühmte Personen, die auf der Fahndungsliste standen, vor dem Zugriff der Polizei geflohen. Weniger erfolgreich als Ronnie Biggs erging es dem britischen Derivatehändler Nick Leeson. Er trieb mit hochriskanten Spekulationsgeschäften die britische Traditionsbank Barings in die Pleite. Als seine Geschäfte aufflogen, setzte er sich ab. Doch er konnte sich nicht lange den Behörden entziehen. Einige Wochen nachdem er abtauchte, griff ihn die Polizei am Frankfurter Flughafen auf.

Der frühere DDR-Staatschef Erich Honecker suchte nach dem Zusammenbruch der Deutschen Demokratischen Republik Zuflucht in der chilenischen Botschaft in Moskau. Er erhoffte sich Hilfe, da die DDR nach dem Militärputsch in Chile viele politische Flüchtlinge aus dem Land aufgenommen hatte. Nach längerem hin- und her gab die chilenische Regierung jedoch dem Druck der Bundesrepublik nach. Honecker musste die Botschaft verlassen und wurde von Russland an Deutschland ausgeliefert.

Alle Fluchten haben eines gemeinsam: ein tragisches Ende. Anders als Leeson und Honecker schaffte es Ronnie Biggs allerdings rund 35 Jahre lang, sich dem Zugriff der Polizei zu entziehen. Er war der meistgesuchte Mann Großbritanniens und dennoch auch eine Art Volksheld.

In der Nacht vom 8. August 1963 hatte Biggs gemeinsam mit 14 Komplizen den Postzug von Glasgow nach London überfallen. Bei dem Überfall auf den Postzug hatte seine Bande keine Waffen benutzt. Durch ein manipuliertes Signal brachte sie den Zug zum stehen und erbeutete etwa 2,6 Millionen Pfund. Das entspricht einem heutigen Gegenwert von etwa 45 Millionen Euro.

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Ein Leben auf der Flucht

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„Hallo Ronnie, lange nicht gesehen!“

Kommentare zu " Von Biggs bis Snowden: Ein Leben auf der Flucht"

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  • @framu :"Zur Zeit als in Europa ein Krieg gegen Hitler-Deutschland tobte"

    Der Krieg tobte gegen Deutschland !!

    Hier die Mitteilung an einen Beauftragten des Deutschen Widerstandes, in Emrys Hughes "Winston Curchill l - his career in war and peace" S. 145 :
    "Sie müssen sich darüber im klaren sein, dass dieser Krieg n i c h t gegen Hitler oder den Nationalsozialismus geht, sondern gegen die Kraft des Deutschen Volkes, die man für immer zerschlagen will, gleichgültig, ob sie in den Händen eines Adolf Hitlers oder eines Jesuitenpaters liegt."

  • Interessant wäre, etwas über die Motive Snowdens zu erfahren. Hat er evtl. viel Geld verlangt für die Informationen, die der "Guardian" veröffentlicht hat? Oder ging es ihm um die Freiheit?
    Wenn Letzteres der Fall ist, kann man ihn wohl kaum mit Kriminellen auf eine Stufe stellen.
    In der EU wird es wohl nicht viel Interesse daran geben, Snowden in einem der Mitgliedsstaaten zu beherbergen und dann die Probleme mit den USA auf sich zu nehmen. Andererseits werden viele in der EU (wohl mit Ausnahme Großbrianniens) Snowden klammheimlich viel Glück wünschen.

  • Snowdon wäre eine guter Kandidat für den Friedensnobelpreis. Hat als Einzelperson der verlogenen Obama Regierung die Maske vom Gesicht gezogen.
    Was mich mit Besorgnis erfüllt: Tempora und PRISM haben ja nicht nur Privates ausspioniert, sondern sicherlich auch Vieles im wirtschaftlichen Bereich. Welche Firma kann sich denn noch sicher sein, schickt sie Konstruktionspläne etc. per Mail? Die Antwort der Briten auf die deutsche Tempora Anfrage zeigt auch, daß die Briten uns nicht ernst nehmen! Und: Unsere Politiker werden mal wieder kuschen! Schade!

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