Vor aufkommendem Protektionismus gewarnt
Greenspan sieht Gefahr für US-Defizitabbau

Alan Greenspan hat vor neuem Protektionismus gewarnt. Eine Einschränkung des Freihandels könne einen krisenlosen Abbau des riesigen Leistungsbilanzdefizits der USA gefährden, sagte der US-Notenbankchef.

HB WASHINGTON. „Einige Wolken eines aufkommenden Protektionismus sind heute am Horizont zunehmend sichtbar geworden“, sagte Greenspan am Donnerstag laut Redetext auf einer Finanzkonferenz. Dies könne die Flexibilität der Weltwirtschaft erheblich untergraben. Dem schleichenden Protektionismus müsse daher begegnet werden. Die US-Regierung hatte zuletzt Importbeschränkungen für bestimmte chinesische Textilprodukte angekündigt. Außerdem befinden sich die USA unter anderem mit der EU wegen der bereits seit längerem erhobenen Schutzzölle auf Stahlimporte im Streit.

Die Sorge vor einem neuen Protektionismus der US-Handelspolitik hatte zu Kurseinbrüchen an den internationalen Börsen geführt. An den Märkten wachsen Spekulationen, US-Präsident George W. Bush werde mit Blick auf die Präsidentenwahl im kommenden Jahr verstärkte Anstrengungen unternehmen, um heimische Industriefirmen und Arbeitsplätze gegen Konkurrenz aus dem Ausland zu schützen.

Greenspan zufolge gefährdet ein Protektionismus die Flexibilisierung des internationalen Finanzsystems, die den USA ermöglicht, ihr Handelsbilanzdefizit in Rekordhöhe zu bewältigen. „Sollte die Globalisierung voranschreiten können und damit ein flexibleres internationales Finanzsystem schaffen, dann werden sich die aktuellen Ungleichgewichte mit allenfalls geringen Störungen entschärfen, wie die Geschichte zeigt“, sagte der Notenbank-Präsident.

Der Handelsstreit zwischen den USA und der Volksrepublik China verschärfte sich unterdessen am Donnerstag weiter. Die Volksrepublik kündigte an, als Reaktion auf die US-Importstahlzölle ihrerseits Importzölle auf einige Rohstoffprodukte aus den USA zu erheben. Bundeskanzler Gerhard Schröder forderte die USA auf, ihre Strafzölle auf Stahlimporte aufzuheben und damit einer Aufforderung der Welthandelsorganisation (WTO) zu folgen. Nach Angaben von US-Außenminister Colin Powell wird Bush über diese Frage bald entscheiden.

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