Vor dem Brics-Gipfel Die China-Show

Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika wollen zum dreitätigen Gipfeltreffen ihr Bündnis festigen. Dabei ist bei dem Treffen an der ostchinesischen Küste klar, dass nur ein Land noch eine Wirtschaftsmacht ist.
Update: 03.09.2017 - 15:55 Uhr Kommentieren
Die Staats- und Regierungschefs Brasiliens, Russlands, Indiens, Chinas und Südafrikas kommen von Sonntag bis Dienstag in der südchinesischen Hafenstadt Xiamen zusammen. Quelle: Reuters
Brics

Die Staats- und Regierungschefs Brasiliens, Russlands, Indiens, Chinas und Südafrikas kommen von Sonntag bis Dienstag in der südchinesischen Hafenstadt Xiamen zusammen.

(Foto: Reuters)

PekingDie Weltwirtschaft blickt zur ostchinesischen Küstenstadt Xiamen. So beschreiben es zumindest die chinesischen Organisatoren des Gipfeltreffens. Mehr als 1000 Wirtschaftsführer pilgern für drei Tage in die chinesische Hafenmetropole. Der Grund: Die Staats- und Regierungschefs Brasiliens, Russlands, Indiens, Chinas und Südafrikas wollen unter Führung von Pekings Staatsführer Xi Jinping ihren Zusammenhalt beschwören.

Das erste Treffen der Brics-Länder unter Xis Leitung in seinem Heimatland startet mit einem Wirtschaftsforum. 630 Firmen hoffen auf gute Geschäfte, davon 80 der Fortune 500. Eigentlich sollte der Zusammenschluss den wirtschaftlichen Austausch zwischen allen Mitgliedsländern fördern. Doch bis heute ist China das wichtigste Bindeglied, das die Staaten zusammenführt. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres stieg das Handelsvolumen zwischen der Volksrepublik und den anderen Brics-Ländern im Jahresvergleich um 26 Prozent auf 167 Milliarden Dollar.

Auf dem Papier bauen die Brics-Staaten ihre Macht kontinuierlich aus. Seit der globalen Finanzkrise 2009 konnten sie ihren Anteil der globalen Wirtschaftsleistung von 16 Prozent auf 23 Prozent in diesem Jahr ausbauen. Die fünf Länder waren für 45 Prozent des globalen Wirtschaftswachstums in der Zeit verantwortlich. „Die Brics-Gruppe wird immer stärker von China bestimmt“, schreiben jedoch Analysten der US-Strategieberatung Stratfor.

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Einst galten die fünf Brics-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika als zukünftige Wirtschaftsmächte. Doch mindestens drei von ihnen geht es wirtschaftlich durchwachsen bis schlecht. Selbst Klassenprimus Indien gelingt es nicht, alle Teile seiner Bevölkerung auf seinem Wachstumspfad mitzunehmen. Die Lage in den fünf Ländern im Überblick.

Brasilien
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Schlimmer geht zwar bekanntlich immer, aber in Brasilien ist das kaum noch vorstellbar. Das Land steckt in einer tiefen Rezession. 2015 brach die Wirtschaftskraft um 3,8 Prozent ein. Experten rechnen bis 2017 mit weiteren Rückgängen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Preise steigen, der Konsum bricht weg, die Landeswährung Real ist eingebrochen, die Staatskassen sind leer. Brasilien leidet als Ölexporteur unter den Dumping-Ölpreisen.

Brasilien
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Auch politisch steckt das Land in einer Krise. Führende Politiker stehen wegen Korruptionsvorwürfen im Visier der Justiz. Ex-Präsidentin Dilma Rousseff wurde im August aus dem Amt gejagt. Ihr Nachfolger Michel Temer will das Land mit Reformen aus der Rezession holen.

Russland
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Auch Russland geht es nicht besonders gut: Seit dem vergangenen Jahr schrumpft die Wirtschaft, die Preise steigen. Vor allem die niedrigen Ölpreise machen dem Förderland zu schaffen. Hinzu kommen Sanktionen des Westens wegen der Ukraine-Krise.

Russland
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Um die klammen Staatskassen aufzufüllen, setzt Präsident Wladimir Putin auf Privatisierungen und hofft auf Einnahmen von umgerechnet über 13 Milliarden Euro in diesem Jahr. Es wäre die größte Privatisierungswelle seit den 1990er Jahren - doch bislang geht es schleppend voran. Unterdessen kämpft Putin zusammen mit dem Ölkartell Opec gegen die Dumping-Ölpreise. Einen Etappensieg erreichten die Förderländer im Oktober, indem sie eine Einigung auf eine Förderbegrenzung signalisierten. Das Ölpreise legten daraufhin weltweit zu.

Indien: Präsident Narendra Modi
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Wachstumssorgen hat der Subkontinent zurzeit keine. Der Internationale Währungsfonds sagt ein Wirtschaftswachstum von 7,6 Prozent in diesem und im kommenden Jahr voraus. Die Inflation, früher regelmäßig über zehn Prozent, bleibt stabil zwischen fünf und sechs Prozent. Die Regierung hat zahlreiche Wirtschaftszweige für direkte Auslandsinvestitionen geöffnet. Zudem ist eine allgemeine Steuer auf Güter und Dienstleistungen in Arbeit, die das Abgabendickicht der 29 Bundesländer entwirren und dem Land ein zusätzliches Wachstum von einem bis zwei Prozentpunkten verschaffen soll.

Indien
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Doch mindestens zwei Drittel der Bevölkerung ist von dem neuen Wohlstand ausgeschlossen. Die 800 Millionen Inder, die auf dem Land leben, haben heute weniger Nahrung zur Verfügung als in den 1970er Jahren. Auf dem Welthungerindex steht Indien auf Platz 97 von 118, mit Abstand die schlechteste Bewertung aller Brics-Länder.

Das offenbart auch ein genauerer Blick. China alleine ist der mit Abstand größte Motor der Weltwirtschaft. Denn die Volksrepublik war alleine für 40 Prozent des globalen Wachstums verantwortlich. „Die zweitgrößte Volkswirtschaft China ist war der verlässliche Treiber für die globale Wirtschaft seit der Finanzkrise 2008/2009“, sagt Rajiv Biswas, Chefökonom für Asia und Pazifik bei IHS Markit.

Die aufstrebenden Schwellenländer wollten zur Gründung des Zusammenschlusses 2009 ein Gegengewicht zur von den USA dominierten globalen Wirtschaftsordnung bilden. Was sie verband, waren zudem die guten Wachstumsaussichten. Schließlich hatte ein Analyst von Goldman Sachs den Begriff Brics 2001 geprägt, um die guten Investitionschancen in die Länder zusammenzufassen.

Doch die Zeit des Turbowachstums ist für die meisten Brics-Staaten vorbei. Brasilien und Südafrika kämpfen mit einem langsamen Wachstum. Brasiliens Präsident Michel Temer war schon Tage vor dem Gipfel in die Volksrepublik gereist. Im Gepäck: Privatisierungspläne und weitere Erleichterungen für chinesische Investoren in seinem Land.

Indien hatte mit einem Rückzug seiner Truppen in einem Grenzstreit mit China erst vor wenigen Tagen den Weg für die reibungslose Teilnahme am Gipfeltreffen in China frei gemacht. Durch den seit Jahrzehnten heftigsten Grenzstreit um das Doklam-Plateau im Himalaya hätte sich das Verhältnis zwischen den beiden bevölkerungsreichsten Ländern der Welt weiter verschlechtern könnten.

Für Russlands Präsident Wladimir Putin ist das Brics-Treffen eine weitere Chance, die enge Zusammenarbeit mit seinem Amtskollegen Xi weiter zu vertiefen. Schon heute arbeiten ihre Länder eng bei Verteidigungsfragen zusammen. Russland ist dabei die nötige Infrastruktur auszubauen, um seine Energielieferungen stärker von Europa nach Asien umzuleiten. Zudem wird ein Abkommen zwischen Peking und Moskau vorbereitet, dass eine enge Kooperation in der Weltraumforschung besiegeln soll.

Diesen Schulterschluss könnten beide Staatschefs am Montag bekräftigen. Für den zweiten Gipfeltag sind die wichtigsten Beratungen angesetzt. Der Gipfel endet am Dienstag nach einem Treffen mit den ebenfalls eingeladenen Führern Ägyptens, Mexikos, Thailands, Tadschikistans und Guineas im Rahmen des „Brics-Plus“-Prozesses.

Das erweiterte Forum soll Präsident Xi die Plattform bieten, um seinem Plan einer neuen Seidenstraße zu bekräftigen, mit der er China stärker mit der globalen Wirtschaft verbinden möchte. „China möchte Brics mit seinen globalen Strategien verweben”, schreiben die Stratfor-Analysten. Die Frage ist nur, ob die anderen Brics-Staatschef dabei mitspielen wollen. Insbesondere Indien sieht China globale Ambitionen kritisch.

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