Vor dem G20-Gipfel
Misstöne vor dem Londoner Gipfel

Der Auftakt des G20-Gipfels verlief nicht in der vom Gastgeber Brown erhofften Harmonie. Zwar verzichtete US-Präsident Obama auf jegliche Forderungen an die Adresse der Europäer. Doch die Schärfe, die etwa Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Japans Ministerpräsident Taro Aso ins Spiel brachten, übertönte das große Maß an Einigkeit, das in den meisten Fragen herrscht.

dih/ali/gof/tom/bac LONDON.Während einer Serie von bilateralen Begegnungen schlugen die Regierungschefs der Wirtschaftsmächte ihre Pflöcke für die Londoner Verhandlungen über die Reform des Weltfinanzsystems und den Kampf gegen die Wirtschaftskrise ein.

US-Präsident Barack Obama verzichtete bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Präsident in Europa auf jegliche Forderungen an die Adresse der Europäer. "Ich bin hierher gekommen, um Ideen vorzubringen, aber auch um zuzuhören und nicht um zu predigen", sagte er Vormittag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem britischen Premierminister Brown. "Ich weiß, dass alle G20-Länder ihre eigenen Ansätze haben, und wir werden nicht in jedem Punkt übereinstimmen", sagte Obama. Die Medien übertrieben die Differenzen aber gewaltig. Die Länder seien sich einig, dass sie gemeinsam das Wachstum ankurbeln müssten.

Brown wies darauf hin, dass die beschlossenen Konjunkturpakete schon jetzt die Summe von zwei Billionen Dollar überträfen. Ausmaß und Geschwindigkeit der Reaktion auf die Wirtschaftskrise seien historisch einmalig. Das schließe eine Wiederholung der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre aus.

Die diplomatischen Bemühungen Browns und Obamas reichten jedoch nicht aus, um das tiefsitzende Misstrauen der Kontinentaleuropäer über den Regulierungswillen der Angelsachsen zu zerstreuen. Sarkozy, der am Mittwoch gedroht hatte, den Gipfel im Protest zu verlassen, wenn er keine ausreichend konkreten Regulierungsschritte bringe, legte noch einmal nach. "Der aktuelle Stand der Vorschläge passt weder Deutschland noch Frankreich", sagte er in einem Radio-Interview.

Vor allem die Vorschläge zu Steueroasen gehen Sarkozy nicht weit genug. Frankreich drängt auf das Prinzip "name and shame". Die G20 soll eine Liste mit nicht kooperativen Staaten veröffentlichen - wer darauf steht, muss mit Sanktionen rechnen. China bremse dabei, sagte Sarkozy. "Dahinter stehen die Interessen Hongkongs, Macaos und auch Singapurs", erklärte er.

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