Vor dem G7-Treffen
USA prüfen Bankenverstaatlichungen

Die USA wollen offenbar dem britischen Beispiel folgen und erwägen eine direkte Beteiligung an einheimischen Kreditinstituten. Händler begrüßten diese Aussage. Auch Bundeskanzlerin Merkel will die Verstaatlichung von deutschen Banken nicht ausschließen.

WASHINGTON. Die USA wollen offenbar dem britischen Beispiel folgen und erwägen eine direkte Beteiligung an einheimischen Kreditinstituten. Nach Informationen aus dem amerikanischen Finanzministerium ist eine solche Möglichkeit, die ähnlich wie in Großbritannien und anderen europäischen Ländern auf eine Teilverstaatlichung des Bankensektors hinausliefe, ausdrücklich im 700 Mrd. Dollar umfassenden Rettungsplan vorgesehen, der vom Kongress vor einer Woche verabschiedet wurde.

Auf den britischen Plan angesprochen, sagte US-Finanzminister Henry Paulson, er weise diese Idee nicht zurück. Er wolle jedoch nicht darüber spekulieren, welches der neuen Rechte die Regierung anwende. In Regierungskreisen hieß es, dass die direkten Investitionen in Bankaktien bereits Ende Oktober anlaufen könnten.

Ausdrückliche Unterstützung fände der Vorschlag einer Teilverstaatlichung bei den Demokraten, die im Kongress in der Mehrheit sind. Senator Charles Schumer aus New York glaubt, dies sei der beste Weg, um die Bilanzen der Institute zu stabilisieren und damit den Kreditmarkt wieder zu öffnen. Gleichzeitig würde der Steuerzahler profitieren, da er für seinen Geldtransfer einen Anteil an den Banken erhalte. „Diese Maßnahme könnte sich als vielversprechendes Instrument in Paulsons Werkzeugkasten erweisen“, lobte Schumer.

Mit einem derartigen Vorgehen würde die US-Regierung indes von ihrer bisherigen Linie abweichen, den Banken vor allem solche Aktiva abzukaufen, die über schlechte Hypothekenkredite nur unzureichend abgesichert sind. Eine direkte Beteiligung am Grundkapital der Banken war in den USA bis zu den jüngsten Paulson-Äußerungen kein Thema.

Der Finanzminister stellte allerdings auch klar, dass das Rettungspaket der Regierung darauf abziele, die Folgen der Krise für die Gesamtwirtschaft zu dämpfen. Es sei aber nicht dazu da, „jede existierende Finanzinstitution um ihrer selbst willen zu retten“.

An den US-Börsen beruhigte sich die Lage nach den Kursstürzen der vergangenen Tage am Donnerstag etwas. Allerdings gerieten einzelne Finanzwerte wie Morgan Stanley erneut massiv unter Druck. Die Aktie der US-Bank verlor zeitweise ein Viertel ihres Wertes. Grund war die Angst der Investoren, dass eine geplante Kapitalspritze des japanischen Konkurrenten Mitsubishi UFJ doch noch scheitern könnte. „Der neue Ansatz der US-Regierung ist sicher eine gute Nachricht“, meinte ein New Yorker Aktienhändler. Allerdings sei völlig unklar, wie viele Banken davon in welchem Ausmaß profitierten.

Zudem rief Paulson die Industriestaaten unmittelbar vor dem Start der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds zu besserer Zusammenarbeit auf. „Die Regierungen müssen weiter eigene Maßnahmen ergreifen, um die Liquidität zu gewährleisten und die Ersparnisse der Bürger zu schützen“, sagte er.

Paulson schlug eine Weltfinanzkonferenz mit Vertretern aus Industrie- und Schwellenländern vor. Das Treffen solle im Rahmen der G20 erfolgen, der reiche Länder ebenso angehören wie aufstrebende Volkswirtschaften. Dabei sollten hochrangige Vertreter der Finanzministerien und Zentralbanken über die Folgen der Krise beraten. mzi/mm

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